<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Literatur &#8211; ostalb.net</title>
	<atom:link href="https://ostalbpresse.de/literatur/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://ostalbpresse.de</link>
	<description>Kultur aus Ost-Württemberg</description>
	<lastBuildDate>Sun, 04 May 2025 18:13:25 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0.2</generator>
	<item>
		<title>Ganz nah an den Menschen</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/ganz-nah-an-den-menschen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 May 2025 18:13:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Peters]]></category>
		<category><![CDATA[Frederick Brütting]]></category>
		<category><![CDATA[Grit Krüger]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbahnhof Aalen]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Schubart-Literaturpreis 2025]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/ganz-nah-an-den-menschen-2/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_3377" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-3377" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/05/41b3e1c9a72563adbb791550ecdbe3a5.jpg" alt="Fotos: Holger Bewersdorf" class="caption" title="Grit Krüger (Mitte) und Christoph Peters (3.v.l.) mit OB Frederick Brütting, Anne-Dore Krohn, Markus Frei, Stefan Kister und Michael Weiler." width="1024" height="683" />Grit Krüger (Mitte) und Christoph Peters (3.v.l.) mit OB Frederick Brütting, Anne-Dore Krohn, Markus Frei, Stefan Kister und Michael Weiler.[/caption]<p>Zwei, die menschlichen Befindlichkeiten mit analytischem Blick auf den Grund gehen, sind jetzt im Kulturbahnhof Aalen mit dem Schubart-Literaturpreis und dem Förderpreis 2025 ausgezeichnet worden: Christoph Peters für seinen Roman „Innerstädtischer Tod“ und Grit Krüger für ihren Roman „Tunnel“.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Mit ihrem unerschrockenen rebellischen Ansatz fügen sie sich gut in die Tradition des kantigen Namensgebers Christian Friedrich Daniel Schubart ein, der einst auf dem Hohenasperg in der „Fürstengruft“ einsaß, weil er dem Landesherrn in die Suppe gespuckt hatte, erinnert Oberbürgermeister Frederick Brütting in seiner Begrüßung. Eine Ahnung davon hat Christoph Peters mitbekommen, weil ein Berliner Galeristenpaar die Veröffentlichung seines Romans verhindern wollte. Es meinte, sich in dem Roman negativ erkannt zu haben. In zwei Gerichtsverfahren ist seine Klage zugunsten der Meinungs- und Kunstfreiheit abgewiesen worden.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Was wohl geschehen wäre, wenn das Galeristenpaar Erfolg gehabt hätte, überlegt die Literaturkritikerin und Jurymitglied Anne-Dore Krohn in ihrer launigen Laudatio. Womöglich hätte das Buch nur noch unterm Ladentisch verkauft werden können. Der weitgereiste Autor habe die Welt gründlich angeschaut; entsprechend weit sei die Bandbreite seiner Romane. Wie auch dieser dritte einer Trilogie. „Satirisch, todernst und hochpolitisch“. Krohn sieht in Peters Roman zahlreiche heterogene Figuren aufeinandertreffen. Die Widersprüche unserer Zeit dürften schwarz auf weiß nebeneinanderstehen. „Gute Literatur ist wirklicher als die Wirklichkeit“, lobt sie das Werk des Schriftstellers.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Christoph Peters räumt in seiner Dankesrede ein, dass ihn die juristische Auseinandersetzung um seinen Roman belastet habe. Diesen bezeichnet er als eine „komplexe Familienaufstellung“ und als alles andere als einen skandalträchtigen Enthüllungsroman. Auch Romanfiguren brächten ihre jeweils eigene Entwicklungsgeschichte mit. Schon die Änderung weniger Details würde den Fortgang der Story, in der wie in seinem aktuellen Buch unterschiedlichste Positionen nebeneinander stehen, verändern, gibt er Einblick in die Logik des Schreibens. Seinen Roman wiederum sieht er in einem intertextuellen Bezug zu Wolfgang Koeppens Roman „Der Tod in Rom“ und zu Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“ stehen. Eines wirkt aus dem andern oder baut auf dem andern auf. Ein Hinweis ist Peters noch wichtig: Das Personal von „Innerstädtischer Tod“ hat nichts mit seinem Verfasser gemein. Wer Böses schafft, muss deshalb nicht selbst böse sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" size-full wp-image-3378" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/05/Festakt_2025-05-03_185415_Z9A_6530HolgerBewersdorf.jpg" alt="Festakt_2025-05-03_185415_Z9A_6530HolgerBewersdorf.jpg" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/05/Festakt_2025-05-03_185415_Z9A_6530HolgerBewersdorf.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/05/Festakt_2025-05-03_185415_Z9A_6530HolgerBewersdorf-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/05/Festakt_2025-05-03_185415_Z9A_6530HolgerBewersdorf-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Virtuosen auf dem Akkordeon: Sinisa Ljubojevic und Djorde Vasiljevic machen Musik auf Preisniveau.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp; In Grit Krügers bereits zweimal ausgezeichneten Debut geht es metaphorisch unter die Erde. Die Tiefe wird zum Rückzugsgebiet, weil die Menschen oben nicht überleben können. Ganz prosaisch: Mascha hat kein Geld mehr, um für ihre Tochter und sich im Winter zu heizen. Deshalb zieht sie in ein Altersheim, wo sie allerlei kauzige Typen trifft. Einen Tröster und einen Bewohner, der unter dem Sandsteinfundament im Keller Geräusche hört. Da greift Mascha zur Hilti und bohrt. Der Tunnel entsteht. Ob er zum Ausweg wird aus der Gefangenschaft ihrer prekären Verhältnisse? „Grit Krüger zeigt uns, wie dünn der Boden ist, auf dem wir uns bewegen“, stellt ihr Laudator Dr. Stefan Kister fest. Aber sie lasse auch die Hoffnung spüren, die aus dem Untergrund dringt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;„Es macht mich mächtig stolz, diesen Preis zu erhalten“, freut sich die Autorin. Er ermögliche ihr weiteres Schreiben, so, wie das Geld für ihre Figur, die Pflegerin Mischa, Freiheit bedeute. Weshalb sie „ganz einfach danke“ sagt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Den mit 20 000 Euro dotierten Schubart-Literaturpreis hat OB Brütting an Christoph Peters überreicht. Mit dem von der Kreissparkasse Ostalb gestifteten Förderpreis in Höhe von 7500 Euro hat KSK-Chef Markus Frei Grit Krüger bedacht. Neben Anne-Dore Krohn und Stefan Kister haben sich die weiteren Jurymitglieder Tilla Fuchs, Denis Scheck, Michael Weiler und Miriam Zeh durch „sehr viele exzellente Texte“ (Brütting) gelesen, wobei das Thema „Freiheit“ im Fokus stand.&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Das hervorragende Akkordeon-Duo „Synthesis“ hat den Festakt mit Musik von Antonio Vivaldi, Eric Mayr und Paulo Jorge Ferreira angemessen umrahmt.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer&nbsp;&nbsp;</em></p>
<p>(04.05.2025) &nbsp; &nbsp;&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Christoph Peters erhält Schubart-Preis</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/christoph-peters-erhaelt-schubart-preis-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2025 15:36:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Christoph Peters]]></category>
		<category><![CDATA[Grit Krüger]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbahnhof Aalen]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalb-Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Schubart-Literaturpreis]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/christoph-peters-erhaelt-schubart-preis-2/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_3346" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-3346" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/3cfd4ff673c93395fd580159a9616109.jpg" alt="Foto: Peter von Felbert" class="caption" title="Christoph Peters erhält in diesem Jahr den Schubart-Literaturpreis." width="1024" height="681" />Christoph Peters erhält in diesem Jahr den Schubart-Literaturpreis.[/caption]<p>Der mit 20.000 Euro dotierte Schubart-Literaturpreis der Stadt Aalen geht in diesem Jahr an Christoph Peters. &#160;Die Preisverleihung findet am Samstag, 3. Mai, im Kulturbahnhof KUBAA in Aalen statt.&#160;</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Der 1966 in Kalkar geborene Schriftsteller erhält ihn für seinen brandaktuellen und politischen Roman „Innerstädtischer Tod“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Mit dem Schubart-Förderpreis 2025 wird Grit Krüger für ihren raffinierten und sprachlich unkonventionellen Roman „Tunnel“ (Kanon) ausgezeichnet. Der mit 7.500 Euro dotierte Förderpreis wird von der Kreissparkasse Ostalb gestiftet.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Nichts weniger als den Roman zur Stunde hat der Schriftsteller Christoph Peters geschrieben. „Innerstädtischer Tod“ ist der dritte Teil einer bei Luchterhand erschienenen Trilogie, die unserer Gegenwart in all ihrer Widersprüchlichkeit einen literarischen Spiegel vorhält. Ausgehend von einem jungen Installationskünstler, einem erfolgreichen Galeristen und einem Vertreter der Neuen Rechten entfaltet Peters ein spannungsreiches Ensemble, das in seiner Vielstimmigkeit wie eine meisterhafte synkopische Symphonie der Großstadt Berlin und der erhitzten Diskurse der Zeit klingt. Jede der Figuren ist auf Sinnsuche, jede vertritt ihre individuelle Wahrheit. Die kulturellen, politischen und emotionalen Reibungen, die das Aufeinandertreffen dieser Antagonisten innerhalb eines kurzen Zeitraums verursacht, verwandelt Christoph Peters in welthaltige Literatur, die kunstvoll, kenntnisreich und fokussiert die Knackpunkte und das Knirschen unserer Zeit einfängt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Preiswürdige Bücher beziehen ihre Qualität daraus, dass sie sich den Zuordnungen, die man zu ihrer Beschreibung braucht, immer auch entziehen. Grit Krügers Romandebüt „Tunnel“ ist eine Prekariatsgeschichte, die alle damit verknüpften Erwartungshaltungen auf so eigenwillige wie fantastische Weise unterläuft, beziehungsweise untertunnelt. Ihre Figuren treten heraus aus dem anonymen Licht von Armutsstatistiken: Mascha Heerdmann, eine alleinerziehende Mutter, und ihr Kind, dazu der Tröster, ein am Rand der Obdachlosigkeit entlangschrammender ehemaliger Seemann, schließlich noch der lichtscheue Rentner Tomsonov irgendwo aus dem Osten, der sich im Tagebau kaputtgeschuftet hat und nun in einem Pflegeheim gestrandet ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-3348" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Foerderpreistraegerin_Grit_Krueger_Foto_Felix_Gruenschloss.jpg" alt="PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Förderpreisträgerin_Grit_Krüger_Foto_Felix_Grünschloß.jpg" width="1280" height="854" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Foerderpreistraegerin_Grit_Krueger_Foto_Felix_Gruenschloss.jpg 1280w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Foerderpreistraegerin_Grit_Krueger_Foto_Felix_Gruenschloss-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Foerderpreistraegerin_Grit_Krueger_Foto_Felix_Gruenschloss-1024x683.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2025/03/PNr_107_2025_Schubart-Literaturpreis_Foerderpreistraegerin_Grit_Krueger_Foto_Felix_Gruenschloss-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></p>
<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;Foto: Felix Grünschloss</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Was Krüger mit ihnen aufführt, sprengt alle Zwangsläufigkeiten, die ihnen vorgezeichnet sein könnten: Weder spielen sie Sozialmiseren nach, noch führen sie munter vor, wie man sich dagegen behaupten könnte. Sie graben einen Tunnel und suchen ihren eigenen Weg, durch Tagträume und präzise verfremdete Miniaturen des sozialen Lebens, in denen das Netz aus Metaphern, Vorstellungen und Zeichen diejenigen auffängt, die aus allen Bezügen gefallen sind.</p>
<p><strong>Hochkarätig besetzte Jury</strong></p>
<p>&nbsp; &nbsp;Vergeben wird der Schubart-Literaturpreis von einer hochkarätig besetzten Jury, bestehend aus Literaturredakteurin Tilla Fuchs (SR2 Kulturradio Saarbrücken), Dr. Stefan Kister (Kulturredakteur der Stuttgarter Zeitung), Anne-Dore Krohn (Literaturkritikerin, Berlin), Denis Scheck (Literaturkritiker und Übersetzer, Köln), Michael Weiler (Oberstudiendirektor a.D., Aalen) und Miriam Zeh (Literaturredakteurin bei Deutschlandfunk Kultur, Berlin).&nbsp;</p>
<p><strong>Preis wird zum 32. Mal verliehen</strong></p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Stadt Aalen verleiht den Schubart-Literaturpreis bereits seit 1956 im zweijährigen Turnus. Dieses Jahr wird die Auszeichnung zum 32. Mal verliehen. Der Preis wird vergeben für herausragende literarische Leistungen im Geist des freiheitlichen und aufklärerischen Denkens von Christian Friedrich Daniel Schubart. (*1739 +1791). Der Literat, Journalist und Komponist erlebte seine Jugendjahre in der Reichsstadt Aalen. Sein Lebenswerk war die Herausgabe der Deutschen Chronik, einer zweimal wöchentlich erscheinenden Zeitung voller literarischer, kultureller und tagespolitischer Berichte. Mit seiner Lebensweise und seinem Freiheitsdrang verstieß Schubart gegen die Konventionen seiner Zeit. Er war für seine politische Kritik und leidenschaftliche Schreibweise bekannt. Als früher Vertreter einer engagierten Publizistik setzte er sich für Meinungsfreiheit und gegen absolutistische Herrschaft ein. Schubart ist Vorreiter für eine politisch engagierte Literatur, die sich für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie einsetzt. Preisträgerinnen und Preisträger des Schubart-Literaturpreises waren unter anderem: Julia Schoch (2023);&nbsp; Monika Helfer (2021); Daniel Kehlmann (2019); Saša Stanišić (2015); Katja Petrowskaja (2015); Jenny Erpenbeck (2013); Peter Schneider (2009); Friedrich Christian Delius (2007), Uwe Timm (2003), Robert Gernhardt (2001), Alice Schwarzer (1997), Ralph Giordano (1995) und Peter Härtling (1974)</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Mehr Informationen zum Schubart-Literaturpreis sowie KonTexte gibt es unter&nbsp;<a href="http://www.aalen-kultur.de/" target="_blank" rel="noopener">www.aalen-kultur.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Prasselndes Pointenfeuerwerk</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/prasselndes-pointenfeuerwerk-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Oct 2024 11:29:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["Nacht der Poet:innen"]]></category>
		<category><![CDATA[Florian Wintels]]></category>
		<category><![CDATA[Jane Mumford]]></category>
		<category><![CDATA[Jess Jochimsen]]></category>
		<category><![CDATA[Luca Sweater]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Bendiks]]></category>
		<category><![CDATA[Schloss Kapfenburg]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/prasselndes-pointenfeuerwerk-3/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_3243" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-3243" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/10/306600c868fe6b67afe34e9f7a9f98b7.jpg" alt="Fotos: Schloss Kapfenburg" class="caption" title="Die Schweizerin Jane Mumford liest aus ihrem Buch." width="1280" height="807" />Die Schweizerin Jane Mumford liest aus ihrem Buch.[/caption]<p>Von sehr persönlichen Erinnerungen geprägt gewesen ist die 80. „Nacht der Poet:innen“ Donnerstagabend auf Schloss Kapfenburg.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Mitgebracht hat das unwiderstehliche Lästermaul Jess Jochimsen drei junge Sprachkünstler als Beweis, dass die Literatur lebt; nicht nur die komische. Im voll besetzten Saal lesen und rezitieren die junge Slam-Poetin Luca Swieter, das Multitalent Jane Mumford aus der Schweiz und der Hochgeschwindigkeitslyriker Florian Wintels. Beachtlich ihre thematische Bandbreite. Von der Liebeserklärung an ein Brötchen über die Natur der Berge bis zum hinterfotzigen Bittbrief an den Mathelehrer. Da ist für jeden etwas dabei, gerade für die im Saale. Denn für sein Publikum zerbricht sich das Trio ja den Kopf, auch in Buchform. Weshalb man am Ende des Abends feststellen kann, dass nicht nur die Wüste lebt, sondern auch das Buch.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Bei der Lektüre zuhause kann jeder sein Lesetempo selbst bestimmen. Die drei auf der Bühne haben es jedoch eilig. „Den letzten Satz bitte nochmals“, verlangt denn auch eine Stimme aus dem Saal. Andererseits hat das Tempo beim Humor durchaus Sinn. Es könnte sonst sein, dass der Witz, die Pointe im Wortsinn auf der Strecke bleibt. Das geht zwar manchmal auf Kosten der Verständlichkeit; aber der Bäcker hat so viele Brötchen, die Schweiz so viele Berge und Bad Bentheim so viele Dumpfbacken, dass es nicht auffällt, wenn mal vortragsmäßig etwas fehlt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Doch der Reihe nach. „Nacht“-Gastgeber Jess Jochimsen verrät, was ihm an der Fußball-EM am besten gefallen hat. Dass Regierungschef Viktor Orbán gleich nach dem Ungarnspiel wieder nach Hause gefahren ist. Wenn der Mann weg ist, kann man tatsächlich mal einen Abend ohne Krieg und Krisen genießen. Aber nicht ohne kratzige Pointen. Mit denen spickt die kesse Luca Swieter nicht nur ihr Brötchengedicht, sondern auch ihre Erinnerung als studentische Kellnerin in einem Restaurant in Aachen. 2015 war sie beim NRW-Slam in Münster zum ersten Mal dabei. Inzwischen ist sie fit in „mentaler Gesundheit“, weshalb sich Jochimsen, der aus seinem depressiven Tagebuch liest getrost in ihre Obhut begeben könnte. Aber Vorsicht, ihr Gedicht über zwei Männer, die keine Tochter haben wollen, signalisiert, dass er vom Regen in die Traufe geraten könnte.</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-3245" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/10/Nacht2.JPG" alt="Nacht2.JPG" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/10/Nacht2.JPG 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/10/Nacht2-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/10/Nacht2-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Florian Wintels hat es faustdick hinter den Ohren. Hinten sitzen Jess Jochimsen, Jane Mumford und Luca Swieter.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Kabarettistin Jane Mumford räumt mit einem Klischee auf. Die Schweizer hätten die Natur. „Das ist falsch“, sagt sie, mit Ausrufezeichen. „Sie haben die Ordnung.“ Im Übrigen erwarten einen Schnee, Regen und Hagel und bestenfalls drei Wochen schönes Wetter. Deshalb in die Schweiz? Sascha Bendiks singt zur Gitarre einen Cohen-Titel, bevor Jess Jochimsen bitterböse und liebevoll zugleich das Wesen eines Rummelplatzes analysiert. Zwischen Autoskooter fahren und Lose kaufen erfährt das geneigte Publikum, wer die Zuckerwatte, das süße Nichts, erfunden hat. Ein Zahnarzt!</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Dass das gesellschaftliche Leben auf dem Land vor allem aus Saufen besteht, hat Florian Wintels beobachtet. Für sein Märchen über die Pflanzen, die den Menschen zum Feind erklären erhält er nicht nur vom Klatschmohn Beifall. Religion und Verschwörungstheorie bringt Jane Mumford virtuos unter einen Hut. Wie sie die Faktenlage checkt, dürfte bei strenggläubigen Katholiken Schnappatmung verursachen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Wer schon mal an einer Gleichung mit x gescheitert ist, und dafür von seinem Mathelehrer einen verständnislosen Blick geerntet hat, kann Florian Wintels ironiesatte Philippika Wort für Wort nachvollziehen. Zu Ende geht der von SWR Kultur für zwei Folgen aufgezeichnete Abend mit dem von Sascha Bendiks zur E-Gitarre interpretierten „Tennessee Waltz“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Zu Beginn hatte Akademiedirektor Moritz von Woellwarth das Publikum begrüßt und die nächsten Veranstaltungen im Kulturschloss angekündigt.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(25.10.2024) &nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Ellwanger Wimmelbild</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/das-ellwanger-wimmelbild-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jul 2024 06:28:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["Das Ellwanger Wimmelbild"]]></category>
		<category><![CDATA[Ellwanger Schloss]]></category>
		<category><![CDATA[Erlolf]]></category>
		<category><![CDATA[Hariolf]]></category>
		<category><![CDATA[Jubiläumspforte]]></category>
		<category><![CDATA[Matthias Steuer]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Virngrund]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/das-ellwanger-wimmelbild-3/</guid>

					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-3117" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/07/073c82ca8424ec43733d48fbcd8ed116.jpg" alt="" width="1024" height="1024" /><p>Unermüdlich forscht er in der und über die Geschichte des Ellwanger Schlosses. Seinen zahlreichen Publikationen hat der Leiter des dortigen Museums, Matthias Steuer, nun ein weiteres Schmuckstück hinzugefügt.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Er hat einen Stich aufgeschlüsselt, der heute im Schlossmuseum zu sehen ist. Dessen Geschichte reicht weit zurück, bis ins Jahr 1764, zur Tausendjahrfeier der Stadt; eigentlich der Gründung der Benediktinerabtei im Virngrund. Damals wurde auf dem Platz vor dem Südeingang der Stiftskirche eine große Ehrenpforte errichtet, durch die der Fürstpropst Anton Ignaz Graf Fugger-Glött von Kirchberg und Weißenhorn, die zahlreichen Ehrengäste, das Stiftskapitel und die Bürgerschaft zum Festgottesdienst in das Gotteshaus eingezogen sind. „Von der imposanten Pforte aus Holz, Pappmaschee und Farbe ist leider nichts mehr erhalten &#8211; bis auf einen Kupferstich“, stellt Dr. Heiko Merkelbach in seiner Beschreibung dieser Neuerscheinung fest.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Genau genommen sind zu der Jubelfeier zwei Triumphpforten errichtet worden. Eine davon wurde vom Stiftskapitel in Auftrag gegeben. Sie ist im Gegensatz zu der vom Magistrat der Stadtverwaltung finanzierten Ehrenpforte, wie Matthias Steuer in seiner Publikation schreibt, „bislang nahezu unbekannt geblieben“. Das Stadtarchiv Ellwangen konnte 2015 einen von Johann Nepomuk Nieberlein (1729-1805) gestalteten Kupferstich mit der Darstellung dieser Pforte erwerben. Dessen oft winzige Details hat der Forscher im wahrsten Sinne des Wortes unter die Lupe genommen und zu einem spannenden historischen Lesestoff entwirrt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;An der Spitze der Darstellung steht die Gottesmutter Maria. An die himmlische Sphäre schließen sich die Ellwanger Kloster- und Stiftsheiligen an. Deren Schilderung führt der Hauptpatron Vitus an. „Im Mittelalter erhielt die Kirche von Ellwangen eine wertvolle Armreliquie des Heiligen, welche sich heute im Zelebrationsaltar in der Vierung der Stiftskirche befindet“, erläutert Steuer. Den heiligen Veit kennt man natürlich, ebenso die „Pferdeheiligen“ Eleusippus, Meleusippus, Speusippus und deren Großmutter Leonilla, die zu Tode gefoltert worden sind. Weniger bekannt sein dürften die Heiligen Neon, Turbon, Sulpicius und Servillianus sowie die Frauen Junilla, Euphrosina, Theodora und Domitilla. Es handelt sich bei ihnen allesamt um Märtyrer des 1. und 2. Jahrhunderts. Reliquien anderer hingerichteter Christen wie des im 3. Jahrhundert getöteten Bonifatius kamen bis nach Ellwangen.</p>
<p><strong>&nbsp; &nbsp;Gebeine der Märtyrer</strong></p>
<p>&nbsp; &nbsp;So erfahren die Leserinnen und Leser, dass Papst Hadrian I. dem Bischof Erlolf von Langres einen großen Reliquienpartikel von Bonifatius geschenkt hat, den dieser in das neu gegründete Kloster im Virngrund gebracht hat. Er befindet sich im Altar der Krypta in der Basilika. Gebeine aller 17 Stiftsmärtyrer werden an verschiedenen Orten in der Basilika aufbewahrt. Der Hinweis auf sie wird auf dem Stich von zwei Engeln flankiert.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Wichtig neben den Märtyrern ist die Riege der Äbte und Fürstpröpste. Sie wird von Graf Ermenrich angeführt; einem gelehrten und hoch geschätzten Mann, der das Benediktinerkloster vermutlich von 845 bis 863 geleitet hat. Seinen Studien ist die „Vita Hariolfi“ zu verdanken; „das erste und älteste überlieferte literarische Werk der Geschichtsschreibung für Ellwangen“, wie Matthias Steuer feststellt. Allerdings hat es auch der Slawenapostel Methodius dessen Eingreifen als Bischof und Missionar in Mähren und Böhmen zu verdanken, dass er zu einer zweieinhalbjährigen Kerkerhaft verurteilt worden ist, die er vermutlich im Kloster Ellwangen verbüßt hat.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Überspringen wir einige Jahrhunderte bis zu Fürstpropst Johann von Hürnheim. Er hat in seiner kurzen Amtszeit von 1460 bis 1461 dafür gesorgt, dass das Kloster in ein weltliches Chorherrenstift umgewandelt worden ist. Mit reger Bautätigkeit hat der Kirchenfürst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg das Bild der Stadt geprägt. Mit der Errichtung des Hospitals zum Heiligen Geist, dem Wiederaufbau der durch einen Brand zerstörten Wallfahrtskirche Schönenberg und der Errichtung des Jesuitenkomplexes mit einem Kolleg und einer Wandpfeilerkirche, um nur einige zu nennen, hat er „die kleine geistliche Residenz an der Jagst zu einem Barockzentrum“ gemacht, wie der Chronist resümiert.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Zu den Kirchenfürsten gesellen sich auf dem Stich die 1764 amtierenden Stiftsherren. Nicht zu vergessen allegorische Skulpturen, welche verschiedene Tugenden wie Ehre, Weisheit, Milde und Beständigkeit symbolisieren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-3118" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/07/Steuer1.jpeg" alt="Steuer1.jpeg" width="800" height="774" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/07/Steuer1.jpeg 800w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/07/Steuer1-300x290.jpeg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/07/Steuer1-768x743.jpeg 768w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /></p>
<p>&nbsp; &nbsp;Erstaunlich, wen der Künstler Nieberlein alles auf seinem Stich untergebracht hat. Natürlich die beiden Gründer der Ellwanger Kirche, Hariolf und Erlolf sowie die Kaiser und Könige, die sie in den folgenden Jahrhunderten unterstützt haben. Kaiser Heinrich II. hat Ellwangen die Fürstenwürde und 1024 den „Wildbannforst“ verliehen. Damit genoss der Ellwanger Abt im Virngrundwald das ausschließliche Jagd- und Fischereirecht. „Dieser kaiserliche Akt war die Grundlage eines umfassenden Territoriums mit Landesherrschaft des Klosters und der ihr nachfolgenden Fürstpropstei“, erläutert Steuer.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Wohlwollen hat die Abtei auch bei König Pippin (714-768), Kaiser Karl dem Großen (747/48-814), dessen Sohn Ludwig dem Frommen (778-840) und Otto III. (980-1002) genossen, die ebenfalls auf dem „Wimmelbild“ ihren Ehrenplatz gefunden haben. Letzterer hat den kaiserlichen Schutz für das Kloster Ellwangen bestätigt, den bereits Ludwig der Fromme in einer Pergamenturkunde vom 8. April 814, die heute im Hauptstaatsarchiv Stuttgart aufbewahrt wird, zugesichert hatte. Damit schließt Matthias Steuers aufschlussreiche Studie des alten Stichs. Eine Zeittafel und ein Inhaltsverzeichnis ergänzen Bilder und Textbeschreibungen.</p>
<p><strong>Matthias Steuer: Das Ellwanger Wimmelbild. Geschichte und Personen aus 1000 Jahren auf der Jubiläumspforte 1764; 80 S., Ellwangen 2024; erhältlich im Schlossmuseum und bei der Tourist-Informa<em>tion Ellwangen.&nbsp;&nbsp;</em></strong></p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer&nbsp;&nbsp;&nbsp;</em></p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das trunkene Schiff</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/das-trunkene-schiff-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jan 2024 08:41:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Hans Therre]]></category>
		<category><![CDATA[Max. P. Häring]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Paul Zech]]></category>
		<category><![CDATA[Rimbaud]]></category>
		<category><![CDATA[Stefan Zweig]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/das-trunkene-schiff-2/</guid>

					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-3012" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2024/01/83ff2818b8e44880ebdfd2a82ccaee3a.jpg" alt="" width="497" height="640" /><p>Es gilt, von einer grafisch-literarischen Kostbarkeit zu berichten. Im Verlag hibana ist das wundervolle Gedicht „Das trunkene Schiff“ des französischen Dichters Jean-Arthur Rimbaud mit kongenialen Zeichnungen des in Giengen an der Brenz lebenden Künstlers Max P. Häring erschienen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Für den österreichisch-britischen Schriftsteller Stefan Zweig („Schachnovelle“) ist „Bateau Ivre“ das bedeutendste Gedicht der französischen Literatur. „Mehr Knabe noch als Jüngling“ habe Rimbaud „diesen titanischen Traum, Revolte der Farben und fantastische Symphonie fiebernder Worte“ geschaffen. In der Tat fesselt einen dieses umfangreiche Poem in der deutschen Übersetzung des Dramatikers und Lyrikers Paul Zech von der ersten Zeile an. Dieser hat das Epos auch dramatisiert. 1926 ist es in einer Inszenierung von Erwin Piscator in Berlin aufgeführt worden.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;„Der Dichter macht sich zum Seher durch eine lange, ungeheure und wohlüberlegte Entregelung aller Sinne. Alle Formen der Liebe, der Leiden, des Wahnsinns; er sucht selber, er erschöpft in sich alle Gifte, um nur deren Quintessenzen zu bewahren“. Mit diesen Zeilen Rimbauds, mit denen er sein Selbstverständnis als Dichter beschreibt, werden die Texte des 74 Seiten schmalen Bandes eröffnet. Neben dem Text von Stefan Zweig enthält der Band noch eine Lebensbeschreibung des Dichters und Übersetzers Paul Zech. Dessen im Sauerland lebender Kollege Hans Therre steuert unter den Schlagworten „Poesie / Revolte / Sex“ „Zündsätzliches zu Rimbauds Poesie“ bei &#8211; ein semantischer Parforceritt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Schlägt man das Buch auf, fällt der Blick auf der zweiten, einer schwarzen Seite, auf die Zeichnung einer auf dem Rücken liegenden Gestalt. Sie scheint sich aufzulösen in einem sie umgebenden Weiß. Dieses Weiß verselbständigt sich in Chiffren, die das Schwarz erhellen. Die Zeichnungen des mit verschiedenen Prerisen ausgezeichneten Max P. Härings begleiten das Gedicht Rimbauds, sie illustrieren nicht. Der Dichter segelt als „vom Schicksal zum Seemann erhoben“ durch die Wellenberge und Untiefen des Lebens. Lamento und Lobgesang in einem. Das Schiff steht für das lyrische Ich. Furios.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Mit 23 Jahren ist der Franzose schon in der ganzen Welt unterwegs gewesen; „hatte niedrigste Handlangerarbeit verrichtet, kannte schon die harte Streu der Gefängnisse, die Schauer des Urwalds“, schildert Stefan Zweig. Zu jener Zeit wollte er von der Dichtkunst nichts mehr wissen, die ihn mit 15 berühmt gemacht hatte. Sein Lehrer schildert ihn in Zweigs Aufzeichnungen als „frühreif, jähzornig, brutal, durchaus männlich, ein Kerl mit großen, derben Fäusten, ein wenig Muskelmensch“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Häring greift die poetischen visionären Beschreibungen auf, stellt die Welt auf den Kopf. Durch den Himmel schwimmen Fische, fliegen Vögel über einer hügeligen Landschaft. Die reale Wirklichkeit verabschiedet sich in ein Abstraktum, in dem alles möglich scheint. Was Max P. Häring hier mit dem Zeichenstift in diffuse Form bringt, erzählt von der Mühsal, die Fülle zu schaffen, an Sisyphos. Mit einem entscheidenden Unterschied. Sein Felsbrocken bleibt oben liegen. Der brillante Maler ist auch ein Magier des Zeichenstifts. Auf einem Wellenberg tanzt ein Schiff, aus dessen Seiten Ruder ragen wie auf einer Galeere. Angegriffen von großen Fischen, denen ein Pfeil den Weg zu weisen scheint.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die doppelseitigen Zeichnungen kommentieren die Verse, greifen „der Walfische Spur“ auf. Eine Ahnung von Kontinenten taucht auf, während das Schiff wie der alte Flussdampfer in Werner Herzogs Film „Fitzcarraldo“ durch den Urwald „schwimmt“, umgeben von allerlei Getier. Manches erinnert auch an den Zug der Lemminge, die sich in Schluchten stürzen. Max P. Häring entwirft in weißlichen, grauen und dunklen Strukturen und Segmenten dramatische Landschaften und tosende Seestücke, nicht zu vergessen die Majestät zweier im Meer treibender Eisberge. Das letzte Bild zeigt das kaputte Schiff in einem hellen Licht; ein Symbol für den Dichter Arthur Rimbaud, der mit 37 Jahren in Marseille an Knochenkrebs gestorben ist.</p>
<p>Jean-Arthur Rimbaud: Das Trunkene Schiff, mit Zeichnungen von Max P. Häring; Edition Hibana, 2023, ISBN: 978-3-9822910-0-0&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Keine Spur von Staub</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/keine-spur-von-staub-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 15 Nov 2023 18:44:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Derk Janßen Verlag Freiburg]]></category>
		<category><![CDATA[Maria Bosse-Sporleder]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Tallinn]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/keine-spur-von-staub-2/</guid>

					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-2973" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/11/2c593ca5084271e3271767ea5d67e498.jpg" alt="" width="365" height="565" /><p>Die Autorin Maria Bosse-Sporleder spürt in fortgeschrittenem Alter in ihrem aus zahlreichen Impressionen bestehenden Buch „Im Kielwasser der Zeit“ ihrer persönlichen Geschichte und jener ihrer Familie nach.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;„Sie will eine Angel auswerfen durch Zeit und Raum“, schreibt die Ich-Erzählerin. Da ist sie im Internet auf der Suche nach einem Mann, der ihr als 16-Jähriger den Kopf verdreht hat. Er ist Kunstprofessor geworden. Sie wird seinen Namen einige Jahre später nochmals eintippen und erfahren, dass er wenige Wochen zuvor gestorben ist.&nbsp;&nbsp;Glück und Leiderfahrung gehen in diesen Erinnerungen Hand in Hand.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Erstaunlich, was sie alles mit ihrer Angel aus dem Kielwasser der Zeit zieht. Beschreibt sie das Besondere im Alltäglichen? Nein. Durch die Art der Beschreibung wird das Alltägliche besonders. Die Worte sind es, die alles besonders machen. Insofern darf man diese 175 Seiten als ein Fest der Sprache erleben. Manchmal nur spürt man den Willen der Autorin, die seit vielen Jahren „Schreibwerkstätten“ leitet, eine noch treffendere Formulierung zu finden.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Worte also sind es, die den Geschmack im Munde wecken, wenn der Vater in der ersten der 37 kurzen Geschichten in die krosse Haut einer Hähnchenkeule beißt. In einem einzigen präzisen Satz erfährt man einige Zeilen weiter die Verortung der Familiengeschichte. „Mein Pilz“ lässt einen eine hautnahe, sinnliche Naturerfahrung miterleben, die das kleine Mädchen eher widerwillig mitmacht. Schließlich regnet es &#8211; und dann hat sie noch einen ihrer Gummischuhe (Galosch) verloren. Sehr persönliche Erinnerungen sind das. Berührend der überzeugend kindliche Blick der betagten Frau. Geschichte wird in den Geschichten lebendig. An ihrem 7. Geburtstag, einem sonnigen Tag in Estland, nehmen die deutschen Truppen Warschau ein. Fünf Wochen später ist sie mit ihrer Familie auf der Flucht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;All das und noch viel mehr erfährt man im ersten Teil des Buches, in dem sie auf der Suche nach der vergangenen Zeit ihre „Herkunft“ recherchiert. Die Genese der Sporledersippe bis zur Arbeit von Vater und Sohn als Inhaber der Seeversicherungsgesellschaft in Reval, wie Tallinn damals hieß. „Von meinen vier Großeltern ist mir Opapa am nächsten. Er war wirklich da, ich erlebte ihn“, schreibt sie. Ernst Hugo Georg Sporleder starb mit 80 Jahren 1938 in Reval. Rückblenden zum Beispiel auf die russische Großmutter Wera, eine außergewöhnliche Frau, die u.a. Wohltätigkeitsbasare ausgerichtet hat, wechseln sich ab mit Begegnungen bei den vielen Reisen, die Maria Bosse-Sporleder nach Estland unternommen hat. Zunächst mit einem vom Vater in Kanada gezeichneten Stadtplan von Tallinn. Begegnungen, die ihr wiederum Hinweise in die Vergangenheit eröffnet haben.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Familie ist nach dem Krieg nach Edmonton in Kanada ausgewandert. Dort verdient Ernst Sporleder den Lebensunterhalt für seine Familie als Fotograf. Tochter Maria entdeckt ihre Liebe zur Literatur, erhält eine Stipendium für die Sorbonne. Spürt, Europa ist ihre Welt. Dort genießt sie prägende Liebesbeziehungen. „Jetzt weiß ich es wieder“, hat sie eines dieser Kapitel überschrieben. Sie weiß, dass er einen „weichen, gelockten Bart“ getragen hat, als sie in Paris mit ihm im Bett war. Vieles fällt ihr noch ein. Wie die Beschreibung ihrer Mutter Elisabeth in 36 Sätzen. In seiner nüchternen Exaktheit eines der Kabinettstückchen im Kapitel „Herkunft“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;„Schwimmen lernen“ ist die erste „Begegnung“-Geschichte überschrieben. Die pubertierende Eva lernt darin nicht nur schwimmen. Eva lernt leben. Jeder Absatz beginnt mit ihrem Namen wie eine unabänderliche Feststellung. Bis sie im letzten Absatz hinter einer Kastanie mit Herzklopfen auf&nbsp;&nbsp;Vladi mit den braungebrannten Beinen wartet. Ebenso fiktiv wie die Geschichte von Brudeck und der großen gut gebauten Nachbarin. Er stürzt bei einer Wanderung ab, und sie besucht ihn im Krankenhaus. Er hat auf Bitten des Nachbars einige Tage dessen an Krücken gehenden Sohn von der Schule abgeholt, weil seine Frau plötzlich verschwunden war. Jetzt ist sie wieder da. Ihrer Kinder wegen. „Unvorstellbar, die wirklich zu verlassen.“</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Rückblende. 1979 kehrt Maria Sporleder mit ihrer Schwester nach Tallinn zurück. Sie will das Haus sehen, in dem sie ihre ersten fünf Lebensjahre verbracht hat. Das zweistöckige Holzhaus macht keinen guten Eindruck. Sie wird in den folgenden Jahren noch öfters das Haus sehen, wie es immer mehr zerfällt. Bis mehr als zwei Jahrzehnte später das Haus von neuen Besitzern gründlich renoviert wird. Diese Liebe zu ihrem Geburtsland macht ihre Sorge verständlich, dass Putin nach der Ukraine auch das Baltikum wieder ins Visier nehmen könnte, wie einst die Sowjetunion.&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Mit „Staub“ endet dieses Buch. Staub im Speicher unterm Dach, in den sie nicht hinaufdurfte, so lange die Mutter lebte. Sie findet neben Tagebüchern eine Karton mit säuberlich in Mappen geordneten Briefen. Deren Inhalte ihr sehr vertraut vorkommen. Eigenes Erleben entdeckt sie. Der Robert, der hier auftaucht, den hat sie doch selbst kennengelernt. Aber erinnert sie sich selbst, oder erinnert sie sich an die Geschichte, die ihre Mutter einmal geschrieben hat? Oder werden in der Erinnerung sie und ihre Mutter eine Person? Mehr Nähe geht nicht. Logisch lautet der letzte Satz: „Alles ist da.“</p>
<p><strong>&nbsp; &nbsp;Maria Bosse-Sporleder: Im Kielwasser der Zeit. Autofiktive Geschichten; Derk Janßen Verlag, Freiburg i.Br. 2022, ISBN: 978-3-938871-22-5</strong></p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>&nbsp;(15.11.2023)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vergangenes bis Zukünftiges</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/vergangenes-gegenwaertiges-zukuenftiges-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Oct 2023 14:31:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Arnold]]></category>
		<category><![CDATA[Braun]]></category>
		<category><![CDATA[Eröffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturtage]]></category>
		<category><![CDATA[Oliver]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Prediger]]></category>
		<category><![CDATA[Schwäbisch Gmünd]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/vergangenes-gegenwaertiges-zukuenftiges-2/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2947" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2947" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/10/db37724a1e79e40f446eb56812b3313c.jpg" alt="Fotos: Hartmut Hientzsch" class="caption" title="Flankiert von Arne Braun und OB Richard Arnold trägt sich José F. A. Oliver in das Goldene Buch der Stadt ein." width="1024" height="675" />Flankiert von Arne Braun und OB Richard Arnold trägt sich José F. A. Oliver in das Goldene Buch der Stadt ein.[/caption]<p>José F. A. Oliver geht mit offenen Augen durch die Welt. Er sieht, erkennt und bringt die Seherfahrung in poetische Form. Das darf man vom Präsidenten des deutschen PEN erwarten.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Zu seinem Festvortrag bei der Eröffnung der 40. Baden-Württembergischen Literaturtage im „Prediger“ in Schwäbisch Gmünd hat er die Erinnerung an eine kuriose Bekanntschaft mitgebracht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Sie saß auf einem Baumstumpf und hatte ein Buch in der Hand &#8211; mit leeren Seiten. Leere Seiten beflügeln automatisch die Fantasie eines Schriftsteller, sie zu füllen. Die Bekanntschaft war ein Gartenzwerg in einem Geschäft. Wie ließ sich das leere Buch interpretieren? „Ob das schon eine Allegorie war?“, denkt der Dichter. Spinnt den Faden fort (worin könnte man seine Fantasie mitnehmen?), und landet nahezu zwangsweise bei einem Koffer. So simpel wie der Zwerg. Allerdings kann man ihn als Symbol des Reisens deuten. Als „Gegenstand, der Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges vereint“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Oliver weist sein Publikum auf ein Gedicht hin, das er mit 16 Jahren geschrieben hat. „Der Eindringling“. Es wurde tatsächlich vom Fischer-Verlag in Frankfurt in eine Anthologie aufgenommen mit dem Titel „Sehnsucht im Koffer“. Da war der junge Mann natürlich stolz wie Bolle. Er hat das Taschenbuch einer Nachbarin vor die Tür gelegt. Als er sie dann getroffen hat, vor Neugierde brennend, wie sie sein Gedicht wohl aufgenommen habe, gab sie ihm einen entscheidenden Hinweis. „Mach doch den Koffer auf!“</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Fortan hat der junge Spanier geschrieben. Und tut es immer noch. Kurzprosa, Essays zu kulturpolitischen Themen und Gedichte. Und er viel gelesen. Mit jedem Buch hat er neue Koffer geöffnet und viel gelernt. Den Doppelpunkt hat er noch für sich entdeckt; den im Wort. Was ergibt sich, wenn man ihn nach dem ersten Buchstaben setzt? W:orte zum Beispiel. Oder W:erden. Denn Oliver schätzt Sprach- und Wortexperimente über alles.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Er ist auch ein Förderer. Wie von Ernst Siegfried Steffen. Der gebürtige Heilbronner, der am 10. Dezember 1970 an den Folgen eines Autounfalls gestorben ist, hat die Hälfte seines 34jährigen Lebens hinter Mauern verbracht. Davon fast 14 Jahre hinter Gittern. Dort ist auch sein Schreibtalent entdeckt worden. Im Gefängnis hat er Gedichte geschrieben, die Oliver tief bewegt haben. &nbsp;„Ein Werk von schonungsloser Erkenntnis-Demut“, wie er sagt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Dokumente eines Unbehausten. Wie der bei Kröner jüngst erschienene und von Anton Knittel in einer Neuauflage herausgegebene Band „Wenn ich nach Hause komme“ belegt. Für Hilde Domin sind diese Texte aus dem „Schmerz“ geboren.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2948" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/10/HIE_7692.jpg" alt="HIE_7692.jpg" width="1024" height="675" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/10/HIE_7692.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/10/HIE_7692-300x198.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/10/HIE_7692-768x506.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>&nbsp; &nbsp;Zu Beginn hatte Gmünds OB Richard Arnold das weit überwiegend aus Zuhörerinnen bestehende Publikum in der „Landeshauptstadt der Literatur und Poesie“ begrüßt. Angesichts des Ukrainekonflikts und weiterer Krisenherde und großer Unglücksfälle auf der Welt sei die Kultur etwas ins Hintertreffen geraten. Zu Unrecht, denn „die Kultur ist Teil der Lösung“, wie Arnold betonte. Staatssekretär Arne Braun vom Ministerium für Wirtschaft, Forschung und Kunst stellte fest: „Wir leben in fast hysterischen Zeiten“. Streit müsse es zwar geben. Diesen verbal in einer angemessenen Form auszutragen, sei jedoch verlernt worden. Kunst und Kultur könnten indes dazu beitragen, die Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Meinungen wieder zu zivilisieren. Zur Rolle der künstlichen Intelligenz meinte Braun, „KI bleibt immer künstlich &#8211; also nachgemacht“. Weshalb ihm lebendige Menschen in der Kommunikation lieber sind.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Anspruchvoll musikalisch umrahmt hat die Eröffnung der Literaturtage, in die auch ein Eintrag ins Goldene Buch der Stauferstadt eingebunden war, der virtuose Schlagwerker Rostislav Balciunas auf dem Marimbaphon. Seit 2022 leitet Balciunas die Schlagzeugabteilung in der Städtischen Musikschule Schwäbisch Gmünd.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(03.10.2023)</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Biographische Wanderung durch das Haus der Geschichte</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/biographische-wanderung-durch-das-haus-der-geschichte-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 16 Aug 2023 14:06:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Ellwangen]]></category>
		<category><![CDATA[Hartmut Vinçon]]></category>
		<category><![CDATA[Judenverfolgung]]></category>
		<category><![CDATA[Nationalsozialismus]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ukraine]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/biographische-wanderung-durch-das-haus-der-geschichte-3/</guid>

					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-2902" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/08/f1a5756636e5aaaa9e63ee727c781a61.jpg" alt="" width="680" height="1024" /><p><span style="font-size: 12pt;">Betreten wir mit Hartmut Vinçon das „Haus der Geschichte“. Und rüsten wir uns für einen Kampf ums Überleben.</span></p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Denn der Untertitel seines Buches lautet „Europäische Verheerungen 1914&nbsp;&#8211; 1941 &#8211; 2014“.&nbsp;&nbsp;In deren Zentrum steht die Ukraine. Doch bevor wir uns in die Geschichte dieses Zentrums begeben, blicken wir in seinem erzählerischen Dreieck mit den Koordinaten „Raum. Zeit. Ich“ weit zurück.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;In den Räumen dieses Hauses erfahren wir viel über die Kindheit des Autors in Ellwangen und über das Schicksal seines Vaters als Soldat im 1. Weltkrieg und als Lehrer und bekennender evangelischer Christ in der Nazizeit. Später brechen wir mit dem emeritierten Professor für Kommunikationswissenschaften und Frank Wedekind-Forscher an der Hochschule Darmstadt in die Ukraine auf. Zunächst auf den Spuren seines Vaters. Hartmut Vinçon schildert die vom Krieg und dem Kampf um Unabhängigkeit geprägte Geschichte dieses europäischen Landes.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Während die Erinnerungen an die eigene Kindheit sehr detailliert und präzise erzählt werden, verstreut der Autor seine politischen Beobachtungen quer durch die Räume seines Hauses der Geschichte. Sachliche historische Informationen spiegelt er an philosophischen Betrachtungen, deren Sinngehalt sich der Leserin und dem Leser nicht ohne weiteres erschließt. Kein Wunder. Schließlich stellt Vinçon schon auf den ersten Seiten seiner Chronik fest: „Es bedarf außerordentlicher Anstrengungen, den aus Phantasmen gewobenen Schleier der Ideologien, der über der Gegenwart schwebt, zu durchdringen.“ Seine eigene Erfahrung als Chronist beschreibt er so: „Wir sind aufgewühlt vom Schreck oder Glück der Erinnerung.“</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Beginnen wir mit dem Glück. Als der kleine Hartmut „knapp unter vier Jahre alt“ ist, tritt er in einen „zwielichtigen Flur“. Dieser befindet sich in der väterlichen Dienstwohnung in der „Alten Sonne“ in Ellwangen. Vinçon beschreibt die Räume und ihre Bewohner ganz exakt. Ohne Scheu vor intimen Details. Er sieht seine Schwestern und die Mutter nackt. „Sie sah aus wie eine Quellnymphe“, erinnert er sich. „Sie war eine Schönheit“.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Die Kehrseite des Glücks ist das Unheil. Für seinen Vater ist es der Krieg, zu dem der Junglehrer, 21 Jahre alt, 2015 eingezogen wird. Er wird seinem Sohn später, schwer herzkrank, erzählen, wie er immer wieder heil davongekommen ist. Aber in seinem Kriegstagebuch auch von der Lagerhaft in russischer Kriegsgefangenschaft berichten und wie ihm schließlich die Flucht aus Sibirien gelungen ist.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Heil davongekommen ist auch die ganze Familie beim Beschuss der Stadt durch die Amerikaner. Allmählich kehrt Normalität ein. Der kleine Hartmut spielt mit seinen Kumpels in den Ruinen zerstörter Häuser. In der Oberamtsgasse und der Oberen Straße gibt es Spielwarenläden. In den Schaufenstern lockt amerikanisches Kriegsspielzeug. Allerdings unerschwinglich.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Krieg indes ist kein Spiel. Darauf macht der Chronist immer wieder aufmerksam. Im Kontext der Ukraine beschreibt er das Schicksal der dortigen jüdischen Bevölkerung. Über 100.000 Juden seien während des Bürgerkriegs und des polnisch-sowjetischen Kriegs ermordet worden. 434.508 unter der Nazidiktatur im Vernichtungslager Belzec.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Ob man Vinçons Einschätzung der ukrainischen Entwicklung immer teilen muss, sei dahingestellt. Vor allem wenn er feststellt: „Seit ihrer Gründung 1991 ist die Republik Ukraine Objekt einerseits der globalen militärischen Interessen Russlands und andererseits der politischen und ökonomischen Expansionsstrategien der Europäischen Union und der NATO.“ Zumindest seit der Wahl Selenskyjs im April 2019 orientiert sich das Land klar zum Westen und zur EU.</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp;Auf seiner Reise in die Westukraine, wo sein Vater einst in Gefangenschaft geraten war, besucht Hartmut Vinçon Lemberg mit der Gedenkstätte „Territory of Terror“ und einem Denkmal für den Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN), Bandera, die für die zehntausendfache Ermordung polnischer, jüdischer und russischer Menschen mit verantwortlich gewesen ist. Heute wird der Mann als Nationalheld gefeiert. Zusammen mit einem Tschechen, den er kennengelernt hat, erkundet er noch weitere Städte. Immer im Hinterkopf den Gedanken, welche Gefallenen der Welt- und Bürgerkriege die Erde hier bedeckt. Im Gespräch scheinen noch weitere Kriegsschicksale von Angehörigen auf. Sie lassen den Autor räsonieren: „Wir reisen in dieses schöne Galizien (…), während wieder in dem wieder und wieder geschändeten Grenzland Krieg herrscht, als ob in diesem Blutland erneut eine Drachensaat aufginge.“</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp; &nbsp; Ein umfangreiches Quellen- und Literaturverzeichnis lädt zur weiteren Beschäftigung mit der wechselvollen Geschichte der Kornkammer Europas ein.</span></p>
<p>&nbsp; &nbsp; <span style="font-size: 12pt;">Hartmut Vinçon: Überleben im Haus der Geschichte, 295 S., Königshausen &amp; Neumann, Würzburg 2023, ISBN 978-3-8260-7894-1</span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em><span style="font-size: 12pt;">Wolfgang Nußbaumer &nbsp; &nbsp;</span></em></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">(16.08.2023) &nbsp; &nbsp;&nbsp;</span></p>
<p><span style="font-size: 12pt;">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span></p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Konstantin Wecker &#8211; der Liederreiche</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/konstantin-wecker-der-liederreiche-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 28 Jul 2023 13:17:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA["Utopia"]]></category>
		<category><![CDATA[Fanny Kammerlander]]></category>
		<category><![CDATA[Festival Schloss Kapfenburg]]></category>
		<category><![CDATA[Konstantin Wecker]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/konstantin-wecker-der-liederreiche-2/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2879" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2879" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/5622634ef28273566abb3f639e6e3780.jpg" alt="Fotos: Schloss Kapfenburg" class="caption" title="Wecker singt am Flügel, und Fanny Kammerlander streicht dazu ihr Cello." width="1280" height="803" />Wecker singt am Flügel, und Fanny Kammerlander streicht dazu ihr Cello.[/caption]<p>„Ich singe, weil ich ein Lied hab“, singt Konstantin Wecker allein am Flügel beim Festival auf Schloss Kapfenburg.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Viele Lieder hat der bayerische Barde in fünf Jahrzehnten angesammelt.Für seine Jubiläumstournee hat er sich einige seiner Lieblingstitel ausgesucht. Sie reichen für ein Konzert weit über zwei Stunden in kalter Nacht.&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Vor sechs Jahren hat er zuletzt seine vielen Fans aufs Schloss gezogen wie ein Magnet. „A bisserl“ ist er hier „Wieder dahoam“. Einst hat er Texte gemacht, die seiner persönlichen Entwicklung weit voraus gewesen sind, sinniert der 76-jährige. Heute ist er mit ihnen auf Augenhöhe. Das gibt ihnen in seinen Interpretationen eine ganz andere menschlich einfühlsame Qualität.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;„Und keiner wird geschont“, verspricht er in seinem ersten Lied. Nicht mal sich selbst. Das wird deutlich, wenn er aus seinem zu Beginn seiner Karriere „so unglaublich törichtem“ Leben erzählt. Von seiner lebensbedrohenden Kokainsucht, dem selbstgefälligen Schickimicki-Hype &#8211; und wie er doch noch die Kurve gekriegt und gelernt hat, der eigenen Wirklichkeit zu vertrauen. „Manchmal weine ich sehr“, hat er zu jener Zeit geschrieben, als er besser in eine Entzugsklinik gegangen wäre. Doch er wollte sich an den eigenen Haaren aus dem Drogensumpf ziehen. Wecker, die ehrliche Haut.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ist er ein Traumtänzer? Nein, auch wenn der bekennende Anarcho-Pazifist versichert: „Ich höre nicht auf zu träumen von einer herrschaftsfreien Welt.“ Damals wie heute. „Es kam immer alles aus meinem tiefsten Herzen“. Wie die vielen Lieder aus 50 Jahren, mit denen er an diesem Abend mit seinem Publikum schreiten will. Vertonte Poesie, zum Lied gewordene Reflexion. Zwischendurch gibt’s Poesie ohne Musik vom Dichter Wecker. Er hat nicht nur Lieder, sondern auch etliche Bücher geschrieben. Sein Programm wird er nach dem musikalischen Rausschmeißer „Gracias a la Vida“ (Ich danke dir Leben) mit einem Gedicht beschließen. Nicht mit einem Hit. Den liefert er mit dem packenden, dröhnenden „Hexeneinmaleins“, das unheimlich aktuell klingt.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2880" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/wecker2.jpg" alt="wecker2.jpg" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/wecker2.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/wecker2-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/wecker2-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Hingebungsvolle Konzentration in den Bankreihen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;Ansonsten herrscht zumindest auf der Bühne Friede im Land und Freude in den Bankreihen. Vor allem bei denen, die der Sänger in den Arm nimmt, als er singend durch die Bankreihen spaziert. Eierkuchen serviert er keinen. Stattdessen sein markantes „Nein“ zum Faschismus, seine Absage an das „Vaterland“, oder seine Abrechnung mit einer von so vielen Hoffnungen getragenen Idee: „Schäm dich Europa“. „Was mich wütend macht“ erfährt man ebenfalls auf seiner neuen Scheibe „Utopia“, die er John Lennon gewidmet hat. Wer an Konstantin Weckers positive Utopie denkt, dem fällt „Der alte Kaiser“ ein. Ein Bild des letzten Regenten Äthiopiens, Haile Selassie, wie er verloren, fast schon nicht mehr in dieser Welt, in seinem Garten steht, hat ihn zu diesem Lied 1977 inspiriert. Zu einem Abgesang auf alle Autokraten, alle Herrscher.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;„Es lebe die Zerbrechlichkeit“ trägt er noch vor, behutsam, „Immer wenn ich zerbrechlich war, konnte ich wachsen“. Altersweise ist er geworden. Da passt gut der „Liebesflug“ von 1983, in dem es heißt: „Von allen meinen großen Lieben ist mir nur eine treu geblieben: der Selbstbetrug“.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Für dieses Konzert hat der Altmeister wieder eine vorzügliche Band zusammengestellt. Zu der Cellistin Fanny Kammerlander und dem Tastenmann Jo Barnikel gesellen sich mit Saxophonen, Querflöte und Bassklarinette der mit vielen musikalischen Wassern gewaschene Norbert Nagel und der Stuttgarter Schlagwerkprofessor Jürgen Spitschka. Warum aber will mir auf dem Heimweg das Lied „Wenn der Sommer nicht mehr weit ist“ nicht aus dem Kopf? Womöglich eine Hit-Mangel-Erscheinung in seinem meditativ-kontemplativen Schloss-Songbook?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(27.07.2023)</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schubart-Preis für Julia Schoch</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/schubart-preis-fuer-julia-schoch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 24 Apr 2023 17:33:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Literatur]]></category>
		<category><![CDATA[Feuerbach Quartett]]></category>
		<category><![CDATA[Julia Schoch]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturbahnhof]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Schubart-Literaturpreis]]></category>
		<category><![CDATA[Slata Roschal]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/schubart-preis-fuer-julia-schoch/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2828" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2828" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/04/5b196d4f61e1107a52f84e930c6b5cc0.jpg" alt="Fotos: -uss" class="caption" title="Julia Schoch trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Aalen ein; umringt von Anne-Dore Krohn, Markus Frei, Slata Roschal, Dr. Michael Kienzle, Michael Weiler, OB Frederick Brütting und Dr. Stefan Mister. " width="1024" height="644" />Julia Schoch trägt sich in das Goldene Buch der Stadt Aalen ein; umringt von Anne-Dore Krohn, Markus Frei, Slata Roschal, Dr. Michael Kienzle, Michael Weiler, OB Frederick Brütting und Dr. Stefan Mister. [/caption]<p>„Dieses Buch sollte unbedingt von Männern gelesen werden“. Diese Empfehlung hat Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting bei der Verleihung des Schubart-Literaturpreises an die Schriftstellerin Julia Schoch für ihren Roman „Das Vorkommnis“ am Samstag im Kulturbahnhof ausgesprochen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Warum? Darüber hat die Literaturkritikerin Anne-Dore Krohn in ihrer Laudatio informiert. Den Förderpreis hat Slata Roschal für ihr Buch „153 Formen des Nichtseins“ erhalten.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; „Niemand fällt so formvollendet mit einem Satz in ein Buch“, beginnt die Kulturredakteurin des Senders rbb gleich mit einem dicken Lob. Nicht der einzige „Krachersatz“ im ersten Band einer Trilogie der freien Autorin und Übersetzerin. Sie erzähle analytisch in glasklarer Sprache. In ihrer Jugend in der DDR saß Julia Schoch am Ruder eines Vierers mit Steuerfrau, „heute sitzt jeder Satz“, zieht Krohn sprachspielerische eine Parallele. Zentrale Figur im „Vorkommnis“ ist ganz unbescheiden das „Ich“. Als Name! Natürlich handelt es sich dabei nicht um Julia Schoch. Wobei in einem Werk die Schöpferin immer immanent vertreten ist. Für Krohn hat die Preisträgerin eine „Autofiktion“ verfasst. Sie wird in ihrer Dankesrede diesen Begriff als „eine demütige Form der Autobiographie“ definieren. Doch wie schreibt man über sich selbst? Wie leistet man die „raffinierte Verwandlung des eigenen Lebens in Literatur“? fragt sich die Laudatorin. So ein Ich sei schließlich eine knifflige Angelegenheit. Julia Schoch jedenfalls hat das Kunststück geschafft. Ihr Roman ist für Anne-Dore Krohn eines der Bücher, „in die man einziehen möchte.“ Eine Behausung für Geist und Gemüt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Die Geehrte stellt dann anschließend nüchtern fest, das Sprechen über sich selbst sei zum Pflichtprogramm geworden. „Sonst kommt man nicht vor.“ Dann spricht sie über sich, erklärt, dass ihr das Ich von Anfang an als „Mittel zur Selbsterforschung“ sehr wichtig gewesen sei.&nbsp;&nbsp;Mit allen Risiken. Denn es sei ja das Unzulängliche, ja das Gefährliche, von dem sie zu Beginn des Schreibprozesses nichts wisse. Umso wichtiger sei Klarheit und Ehrlichkeit, um sich selbst auf die Sprünge zu kommen und damit authentisch zu werden. Diese Prinzipien dienten ihr als Wegweiser. Die Bücher ihrer Jugend waren Heldengeschichten aus dem Krieg, verrät sie. „Im Vergleich mit ihnen kam mir mein eigenes Ich geradezu feige vor“. Diese Lebensepisode hat sie nicht vergessen, obwohl sie mit Nachdruck feststellt: „Man muss vergessen, um sich richtig zu erinnern“. Das heißt, das Vergessene wieder ans Licht der Erkenntnis heben zu können.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2829" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/04/Schubart2.JPG" alt="Schubart2.JPG" width="848" height="1024" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/04/Schubart2.JPG 848w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/04/Schubart2-248x300.jpg 248w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/04/Schubart2-768x927.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 848px) 100vw, 848px" /></p>
<p>Slata Roschal bei ihrer Dankesrede</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Essenz des Debutromans über Identität, Migration, Außenseitertum, Weiblichkeit und die Frage nach dem Sein von Slata Roschal zu erzählen, sei kompliziert, räumt Jurymitglied Dr. Stefan Kister nach der Lektüre ein. Die junge und schon vielfach ausgezeichnete Autorin beschreibt in 153 Episoden das Schicksal Ksenias. Sie ist Russin und Deutsche (wie die in St. Petersburg geborene Förderpreisträgerin), Jüdin, unter Zeugen Jehovas aufgewachsen; sie ist Mutter, Schriftstellerin und Wissenschaftlerin &#8211; ein Identitätspluralismus, den sich selbst orientierend aufzuarbeiten einige Mühe abverlangt. Diese Selbst- und Alltagsbeobachtungen beschreiben den Abschied von vermeintlichen Gewissheiten, von der Eintönigkeit eines Lebens und das langsame Hineinfinden in eine anders geartete Existenz, so Kister.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Slava Roschal macht es in ihrer Dankesrede kurz. Offizielle Formulierungen seien ohnehin nicht ihr Ding. Sie liest einige Zeilen aus dem Ironie gesättigten „Dankes“-Gedicht eines russischen Kollegen, und freut sich dann über „diesen wertvollen Moment“. Immerhin tue er ihrem Buch gut und sie könne mit dem von der Kreissparkasse Ostalb gestifteten Preisgeld für einige Monate die Miete in München bezahlen und damit die Zeit finden, zu schreiben, was sie wolle.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Zum Schluss hat Anne-Dore Krohn Verena Auffermann (sie konnte an der Feier nicht teilnehmen) und Dr. Michael Kienzle aus der Jury verabschiedet. Mit einem fiktiven Brief Ciceros an die beiden, den Denis Scheck per Videoeinspielung aus Pompeji vorgelesen hat. Natürlich auf Latein. Da freut sich das Bildungsbürgertum.„Wenn ihr einen Garten habt und eine Bibliothek, habt ihr alles, was ihr braucht“, so des alten Römers originale Feststellung. Ein bisschen Musik kann indes ebenfalls nicht schaden. Für sie haben die vier Streicher des jungen „Feuerbach Quartetts“ mit schwungvoll dargebotenen Rock- und Klassikhits gesorgt.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(24.04.2023)&nbsp;&nbsp;</p>
<span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span><span class="tve-leads-two-step-trigger tl-2step-trigger-0"></span>]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
