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	<title>Archiv Theater &#8211; ostalb.net</title>
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	<description>Kultur aus Ost-Württemberg</description>
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		<title>Nur im Suff ein Menschenfreund</title>
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		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jul 2023 07:04:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Herr Puntila und sein Knecht Matti"]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Ensemble]]></category>
		<category><![CDATA[Bertolt Brecht]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Peter Moltzen]]></category>
		<category><![CDATA[Sascha Nathan]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2859" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2859" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/850e17edce6779cc111d239710be36ab.jpg" alt="Fotos: Julian Röder" class="caption" title="Den Attaché (Pauline Knof) hat Puntila (Sascha Nathan) abserviert. Sein Knecht Matti (Peter Moltzen) scheint ihm doch der bessere Mann für seine Tochter Eva (Nora Quest) zu sein." width="1024" height="683" />Den Attaché (Pauline Knof) hat Puntila (Sascha Nathan) abserviert. Sein Knecht Matti (Peter Moltzen) scheint ihm doch der bessere Mann für seine Tochter Eva (Nora Quest) zu sein.[/caption]<p>Brechts Klassiker an „seinem“ Theater - eine bessere Konstellation für die Aufführung von „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ kann es in Berlin nicht geben.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Werden die beiden dann noch von zwei Vollblutschauspielern in einer klugen Inszenierung verkörpert, bleiben keine Wünsche offen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Als sich der Vorhang im „Berliner Ensemble“ öffnet, wankt in der Bühnenmitte, eine Flasche Schnaps schwenkend, der finnische Großgrundbesitzer Puntila in Gestalt von Sascha Nathan. Er drückt dieser Inszenierung seinen Stempel auf. Eine Seele von Mensch, wenn er besoffen ist. Da würde er wie der heilige Martinus seinen Mantel teilen. Oder seine Arbeiterinnen und Arbeiter am Gewinn beteiligen. Doch wehe, wenn die Promille im Blut gegen Null gehen. In diesen „Anfällen von Nüchternheit“ sei er dann „direkt zurechnungsfähig“, erklärt er seinem Chauffeur Matti.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Peter Moltzen macht als Mädchen für alles ebenfalls beste Figur als schleimig-berechnender Diener. In seinem braunen Ledermantel und der hellen Hose wirkt er nach außen völlig korrekt. Eine Wetterfahne, aber aus Eisen. Der Gegenentwurf zu dem gnadenlosen Trunkenbold. Zielgenau redet Puntila im Suff am Gegenüber vorbei. Recht hat nur er. Womit wiederum Matti keine Probleme hat. Die Dialoge zwischen Herr und Knecht sind schauspielerische Kabinettstückchen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;In Puntilas patriarchalischem System kann es nur einen geben, der sagt, wo es langgeht. Tochter Eva soll standesgemäß einen Attaché ehelichen. Nur hat die so kühl wie aufmüpfig in dieser Rolle agierende Nora Quest keine Lust dazu. Was man verstehen kann. Denn dieser ganz in blau gekleidete Herr mit den marionettenhaften Bewegungen und der piepsigen Stimme ist alles andere als attraktiv. Pauline Knof karikiert ihn herrlich. Als ausgebeutetes Kuhmädchen kann sie jedoch auch ganz andere darstellerische Saiten aufziehen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;So langsam aber sicher scheinen dem Puntila die Felle davon zu schwimmen. Nur weiß er es noch nicht. Als ausgemachter Macho verspricht er gleich vier Frauen die Verlobung. Ob die Schmuggleremma (Dela Dabulamanzi), das schon erwähnte Kuhmädchen, das Apothekerfräulein (Nina Bruns) und die Telefonistin (Nora Moltzen) ihm das wirklich glauben? Sie würden es wohl gerne, um sich aus ihren Abhängigkeiten befreien zu können.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Ein anderer Schauplatz, doch das gleiche Spiel. Puntila sieht sich auf dem Gesindemarkt nach neuen Arbeitskräften um. Dazu begibt er sich ins Publikum, sucht sich einen Zuschauer aus und bewertet dessen Äußeres derart selbstverständlich, dass man mutmaßt, Sascha Nathan improvisiere. Kurz darauf wird er doch noch fündig. Im Blaumann wartet dort ein Ensemblemitglied.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Auf der von Thilo Ullrich sparsam aber effektiv eingerichteten Bühne deklamiert der Chor der Arbeiter vor einer zackigen Silhouette. Sie könnte ein Wald sein, den Puntila so sehr schätzt, oder der Hatelma-Berg, den Matti aus Möbeln errichten muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" size-full wp-image-2860" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/18_Puntila_foto_JR_Berliner_Ensemble.jpg" alt="18_Puntila_foto_JR_Berliner_Ensemble.jpg" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/18_Puntila_foto_JR_Berliner_Ensemble.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/18_Puntila_foto_JR_Berliner_Ensemble-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/18_Puntila_foto_JR_Berliner_Ensemble-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Herr Puntila beseitigt den Schnaps, den er nie wieder anrühren will, auf seine Weise. Er leert Flache für Flasche.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Christine Tscharyiskis Inszenierung lebt von diesen überraschenden Momenten, in denen sich Realität und Fiktion verschränken. Sie hebt diesen über 80 Jahre alten Text in die Gegenwart, in der die Verhältnisse zwischen denen da oben und jenen da unten gar nicht so anders sind, wenn man die Vermögensverteilung betrachtet. Puntila will die Arbeiter per Handschlag verpflichten, ohne Kontrakt, dafür mit großzügigen Versprechen. Wieder nüchtern, wird er sie rausschmeißen. Doch dieses Spiel machen nicht alle mit, wie der Rothaarige. Ohne Kontrakt läuft für ihn nichts. Das kapitalistische System erodiert zusehends.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Deutlich wird die Doppelbödigkeit der Inszenierung in einer kurzen Szene. Puntila erscheint mit einem Kopfschmuck aus Pfauenfedern. Grinsend kommentiert Sascha Nathan „V-Effekt“. Es ist indes keiner im Brecht’schen Sinne. Denn Puntila ist doch tatsächlich ein eitler Pfau. Insofern hinterfragt die Regisseurin den Ansatz des als Volksstück deklarierten Werkes. „Das Sichere ist nicht sicher. So, wie es ist, bleibt es nicht.“ Formuliert BB in seinem „Lob der Dialektik“. Letztlich auch die Quintessenz dieses Stücks. Am Ende nützen dem Herrn auf Puntila weder seine 90 Kühe, noch sein großer Wald, noch sein Sägewerk etwas, weil sich die von ihm Abhängigen emanzipieren. Einschließlich seines Knechts. Der Säufer und Kapitalist bleibt allein zurück, ein Haufen Elend.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Nicht vergessen sollte man den Knecht Matti. Er verlässt seinen Herrn und nimmt auch noch dessen Tochter Eva mit. Dann fällt die Fassade des biegsamen Alleserledigers. Er prüft, ob sie als Ehefrau geeignet ist. In bester herrschaftlicher Manier.&nbsp;&nbsp;Sie genügt indes seinen Ansprüchen nicht. Matti hat seine Lektion gelernt. Gelernt? Nein, der Matti des Peter Moltzen hat von Anfang an die Verhältnisse durchschaut. Eigentlich müsste man sich vor ihm fürchten.</p>
<p>&nbsp; <strong>&nbsp;Info:</strong> Nächste Aufführungen am Dienstag, 26. (20 Uhr) und Mittwoch, 27. September (19.30 Uhr),&nbsp;<a href="http://www.berliner-ensemble.de/" target="_blank" rel="noopener">www.berliner-ensemble.de</a></p>
<p>Wolfgang Nußbaumer</p>
<p>(12.07.2023)&nbsp;</p>
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		<title>Der Frühling kennt keine Altersgrenzen</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/der-fruehling-kennt-keine-altersgrenzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jul 2023 14:43:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Altweiberfrühling"]]></category>
		<category><![CDATA["Eiskeller" Hohenstadt]]></category>
		<category><![CDATA[Gerburg Maria Müller]]></category>
		<category><![CDATA[Kulturverein Schloss Laubach]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2853" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2853" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/920e74ddc49b56e1eedc29b60cb99fb2.jpg" alt="Fotos: -uss" class="caption" title="Martha (Ingrid Krusch) hat sich entschieden. Sie wird ihren Laden weder dem Bürgermeister (Felix Schwarzer) noch ihrem geistlichen Sohn Walter (Kai Forster) zur Verfügung stellen. Lisi (Heidrun Neuser, l.) und Hanni (Vicky Stopka) stehen staunend dabei." width="1024" height="675" />Martha (Ingrid Krusch) hat sich entschieden. Sie wird ihren Laden weder dem Bürgermeister (Felix Schwarzer) noch ihrem geistlichen Sohn Walter (Kai Forster) zur Verfügung stellen. Lisi (Heidrun Neuser, l.) und Hanni (Vicky Stopka) stehen staunend dabei.[/caption]<p>Grau dräuende Wolken, Windböen und Temperaturen, die Richtung „Eiskeller“ tendieren. Von diesen wenig einladenden äußeren Umständen lässt sich das Theaterteam des Kulturvereins Schloss Laubach in Abtsgmünd-Hohenstadt nicht irritieren.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Mit seinem von Gerburg Maria Müller mit leichter Hand inszenierten Freilicht-„Altweiberfrühling“ aus der Feder von Stefann Vögel wärmt es Herz und Gemüt des Publikums.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Regisseurin siedelt das Stück, das auf dem in der Schweiz spielenden Film „Die Herbstzeitlosen“ basiert, ebenfalls in der Eidgenossenschaft an.&nbsp;Und in der digitalen Gegenwart. Zwar steht auf dem Schreibtisch in Marthas Boutique noch ein grünes Telefon, mit dem sie am Ende sogar Bestellungen aus Indien aufnimmt. Ansonsten benützt man Handy und Internet.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Das Geschehen befindet sich auf der Höhe der Zeit. Eine alte Dame, der man ihr Geschäft wegnehmen will. Ihr Pfarrersohn für seinen Bibelkreis, der Bürgermeister für sein Wahlkampfbüro. Doch der Reihe nach. Martha wird seit dem Tod ihres Mannes von schlimmen Depressionen geplagt. Ihr Tante-Emma-Laden rentiert sich nicht mehr. Am liebsten würde sie ja dem Verstorbenen nachfolgen. Keine gute Idee, finden ihre Freundinnen. Deren Beschäftigungstherapie sieht so aus. Zunächst soll sie dem Männerchor für das Chorfest eine neue Fahne nähen. In ihrer Jugend hat die gelernte Schneiderin Dessous genäht. Warum nicht auch im Alter? Sehr gute Idee, findet vor allem die dynamische Lisi.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Umsetzung schockt Bürgermeister und Pfarrer. Wahlkampf und fromme Lektüre angesichts heißer Höschen und BHs. Beide betreiben Sabotage. Der Schultes, indem er die Boutique „Petit Paris“ mit Hühnerdreck „aromatisiert“. Der eine Affäre mit der Friseurin des Dorfes pflegende Gottesmann Walter Jost (Kai Forster), indem er seinen Bibelkreis die Dessous klauen und in einem Altkleidercontainer verstauen lässt.</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-2854" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/Fruehling2.JPG" alt="Frühling2.JPG" width="1024" height="712" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/Fruehling2.JPG 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/Fruehling2-300x209.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/07/Fruehling2-768x534.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Ist die Corsage nicht schick? Während Lisi sie lachend präsentiert, schaut die feine Dame Frieda indigniert. Schneiderin Martha schmunzelt vergnügt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Spätestens von jetzt an hält das von Beginn an gut gelaunte Publikum zu dem vor ansteckender Spielfreude sprühenden Damenquartett. Als sich der selbstgefällige Bürgermeister Fritz Bieri (Felix Schwarzer) per Mikro an die Teilnehmer seines auf den Dorfplatz verlegten Seniorenbrunches wendet, um gegen die Boutique zu polemisieren, erntet er aus den Reihen des herzlich lachenden Publikums Widerspruch.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Kein Wunder; hat doch zuvor das Damenquartett mit Wortwitz und kecken Anspielungen auf bürgerliches und klerikales Establishment massiv gepunktet. Ein Heidenspaß, der in der wundervollen Leichtigkeit des Spiels gleichwohl eine wichtige Botschaft transportiert. Die Doppelmoral kennt keine Grenzen &#8211; und es ist nie zu spät, sich zu emanzipieren.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Martha der Ingrid Krusch wandelt sich in dem von Markus Lägeler höchst praktisch eingerichteten Bühnenbild überzeugend von der verzagten Witwe zur starken Frau; umwerfend präsent die Lisi der Heidrun Neuser; ganz Dame die auf Stil wert legende Fabrikantenwitwe Frieda der Nadine Brachatzek, und einfach herzerfrischend die sich von ihrer Rolle als Mädchen für alles emanzipierende Mutter des Bürgermeisters Hanni Bieri, Vicky Stopka. Ganz heimatverbunden schlüpfen Marta und Hanni noch in Dirndl, die junge Leute ohnehin nicht mehr tragen würden. In dem Punkt irrt sich</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Als Jüngste im Bunde runden die gertenschlanke Cosima Bezler als Shirley, Karin Starczewski als Gattin des Bürgermeisters und Nehle Pietsch als Altersheimleiterin Frau Brunner das Aufgebot ab. Letztere ist gleich Feuer und Flamme für die Idee, ihre Seniorinnen und Senioren schweizer Motive auf die Slips sticken zu lassen. Mehr hautnahes Heimatgefühl geht nicht!</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Lang anhaltender rhythmischer Beifall und mit Dessous gebundene Blumensträuße sind der Dank für einen launigen Abend mit Tiefgang.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;<strong>Info:</strong> Weitere Aufführungen am 7./8./14./16./21./23./28./29. Juli. Fr/Sa 20.30 Uhr, So 19 Uhr. VVK-Stellen: Abtsgmünder Bank (inkl. Zweigstellen in Dewangen und Fachsenfeld), Aktiv Reisen, Aalen und Buchhandlung Schmidt, Schwäbisch Gmünd.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em> &nbsp;</p>
<p>(02.07.2023) &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Medea &#8211; warum Mütter morden</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/medea-warum-muetter-morden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 May 2023 07:14:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Medea"]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Stone]]></category>
		<category><![CDATA[Theater Freiburg]]></category>
		<category><![CDATA[Theatertage Aalen]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2850" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2850" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/05/94af61979eb4ea334f75bd3f71cddfb7.jpg" alt="Fotos: Amelie Amei Kahn-Ackermann" class="caption" title="Lucas (Lukas T. Sperber) reicht's. Er will sich von seiner Frau Anna (Laura Palacios) nicht länger unter Druck setzen lassen." width="1024" height="683" />Lucas (Lukas T. Sperber) reicht's. Er will sich von seiner Frau Anna (Laura Palacios) nicht länger unter Druck setzen lassen.[/caption]<p>Furchtbar wüten in Simon Stones „Medea“ Ohnmacht, Verzweiflung und Zorn. Leichen pflastern ihren Weg. Am Ende sind in Kamile Gudmonaites stringent inszeniertem Psychothriller am Theater Freiburg fünf Menschen tot. Ermordet, verbrannt.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Mit der Bearbeitung des Euripidesstoffes hat die Bühne aus dem Breisgau in der Stadthalle Aalen auch bei den Theatertagen ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Wieder Szenen einer Ehe wie in Lot Vekemans Stück „Gift“, mit dem das Reutlinger Theater „Die Tonne“ gepunktet hat &#8211; nur ohne Licht am Horizont.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Gift spielt auch in „Medea“ eine Rolle. Das hat die Ärztin Anna ihrem Mann Lucas ins Essen gemischt, als sie von seiner Affäre mit der Tochter des Laborleiters, ihres gemeinsamen Chefs, erfahren hat. Lucas überlebt, Anna landet in der Psychiatrie.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Jetzt kommt sie als Besucherin getarnt kurz nach Vorstellungsbeginn in die Stadthalle. Sie sucht mit dem Ticket in der Hand nach einem Platz, um schließlich mit ihrem Mann Lucas Kontakt aufzunehmen, der bereits auf der von Barbora Sulniute in klinischem Weiß eingerichteten Bühne steht. „Du siehst gut aus“, meint er. Sie: „Ich hab zugenommen“. Er: „Das steht dir“. Dann ist jedoch schon Schluss mit lustig. Er blockt alle ihre Versuche ab, ihm nahezukommen. „Du und ich, das gibt es nicht mehr“, wird er ihr erklären. Schlimmer noch. Er hat das Sorgerecht für ihre beiden Söhne Edgar und Georg. Mitnehmen will er sie zu einem Forschungsauftrag in China. Außerdem will er sich scheiden lassen, um seine Geliebte Clara heiraten zu können, die Tochter seines Chefs.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Das ist des Schlechten zu viel. Zwar schafft sie es nochmals, dass er mit ihr schläft. Doch das wird kein neuer Anfang; es ist der Abschied, der Schlusspunkt, wie Clara den Akt interpretiert. Die Jungs haben mit einer Videokamera ihre Eltern im Bett gefilmt und ihr das Ergebnis auf der Leinwand vorgeführt, die sich über dem Schlafzimmer spannt.</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-2851" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/05/Medea_HP2_53.jpg" alt="Medea_HP2_53.jpg" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/05/Medea_HP2_53.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/05/Medea_HP2_53-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/05/Medea_HP2_53-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Nach dem finalen Desaster (v.l.): Christoph (Holger Kunkel), Edgar und Georg (Gian Mutschlechner und Mani Müller), Clara (Lou Friedmann) und Anna (Laura Palacios).</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Im Labor im Hintergrund der Bühne, in das man durch eine Glaswand blicken kann,&nbsp;&nbsp;darf sie auch nicht mehr arbeiten. Dahin ihr beruflicher Lebensinhalt, auf den sie zugunsten von Lucas‘ Karriere verzichtet hatte. Sie steht mit leeren Händen da. Und mutiert zur Medea. Diesen ausweglosen Kampf um Liebe, Anerkennung und ihre Kinder gestaltet Laura Palacios mit einer Intensität, die unter die Haut geht. Zärtlich, burschikos, vom Schmerz überwältigt, von Wut getrieben, vom Alkohol- und Schlaftablettenkonsum niedergestreckt &#8211; ein grandioses Erlebnis. Nüchtern schildert sie schließlich, wie das Messer in der Küche einfach so in ihre Hand und dann in Claras Herz geriet, dann in Christophs Hals.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Lukas T. Sperber stattet seinen Lucas mit einer gehörigen Portion innerer Zweifel und Unsicherheit aus; Gian Mutschlechner als Edgar und Mani Müller als Georg sind echte Jungs, die versuchen, das Geschehen zu überspielen, das sie ratlos macht. Lou Friedmann gibt distanziert souverän die junge Geliebte Clara, Holger Kunkel verkörpert eiskaltjovial den Chef Christoph und Charlotte Wild zeichnet die Sozialarbeiterin Mary-Louise als naiven Gutmenschen.&nbsp;&nbsp;So greift das Spiel wie ein gut geöltes Räderwerk ineinander. Betroffen und berührt dankt das Publikum mit langem Beifall.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(28.05.2023)</p>
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			</item>
		<item>
		<title>„Angabe der Person“ &#8211; Elfriede Jelinek</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/angabe-der-person-elfriede-jelinek/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 25 Feb 2023 15:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Elfriede Jelinek]]></category>
		<category><![CDATA[Fritzi Haberlandt]]></category>
		<category><![CDATA[Jossi Wieler]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2789" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2789" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/02/72aa7d15b21afd42eb5f4dfd5619fddf.jpg" alt="Fotos: Arno Declair" class="caption" title="Fritzi Haberland, Susanne Wolff und Linn Reusse verkörpern auf der Theaterbühne Elfriede Jelinek." width="1280" height="850" />Fritzi Haberland, Susanne Wolff und Linn Reusse verkörpern auf der Theaterbühne Elfriede Jelinek.[/caption]<p>Hätte die Steuerfahndung nicht die Wohnung von Elfriede Jelinek in München durchkämmt, wäre das Theaterpublikum nie in den Genuss der sensationellen Inszenierung Jossi Wielers „Angabe der Person“ am Deutschen Theater in Berlin gekommen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Diese Heimsuchung hat die Nobelpreisträgerin so in Rage versetzt, dass sie sich den Zorn von der Seele schreiben musste.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Lassen wir zu Beginn den Regisseur zu Wort kommen. Durch jahrzehntelange Zusammenarbeit kennt er die österreichische Autorin und ihr Werk wie kaum ein anderer. Der Text, den er für die Uraufführung am „Deutschen Theater“ bearbeitet hat, „vereint Kolportage, Autobiographisches, Dokumentarisches, Historisches, ist aber auch eine Apologie und eine Wut-Rede über Deutschland.“</p>
<p>&nbsp; &nbsp;150 eng beschriebene Seiten hat der Drucker ausgespuckt, wie Jossi Wieler erzählt. Eine wahre Text-Fundgrube, aber auch eine inszenatorische Herausforderung ohnegleichen. Eine Herausforderung, die dem Regisseur andererseits ein Höchstmaß an Freiheit gibt, weil sich Elfriede Jelinek völlig aus der dramatischen Umsetzung heraushält.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Wieler hat sich dazu entschieden, das Textungetüm, dem er zusammen mit Dramaturg Bernd Isele zu Leibe gerückt ist, drei Schauspielerinnen und einem Schauspieler anzuvertrauen. Fritzi Haberlandt, Linn Reusse und Susanne Wolff bringen den Text ganz transparent zum Klingen, während Bernd Moss an einem reich bestückten Computertisch sitzt; mal antwortet, mal dazwischenruft. Auf der Drehbühne erhebt sich eine von Anja Rebes ausgedachte schiefe(!) Ebene, die eine angedeutete Hauswand mit Tür- und Fensteröffnung trägt. Ferner eine Kloschüssel. Elfriede Jelinek ist nichts Menschliches fremd.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Ein mechanisches Klavier spielt eine Melodie, zu der sich Fritzi Haberland warmläuft. Wie die andern trägt sie eine rotblonde Perücke über dem leichenblassen Gesicht. Alle drei sind Wiedergängerinnen der Autorin, die ihr Sein und Nicht-Sein, ihr Gestern und Heute im Kontext der Geschichte reflektiert. Im Besonderen ihrer eigenen Familie und Verwandtschaft in den Untiefen dieses Wortmeeres. Sie erzählt von ihrem Cousin Walter Felsenburg, der mit seiner Frau Claire vor den Nazis flüchten musste. Von deren Schwester Lotte, die die Vernichtungslager überlebt hat und von Walters Vater. Er hat im KZ Dachau einen Arm verloren und sich nach Kriegsende das Leben genommen. Vermutlich zum ersten Mal erwähnt die 76 Jahre alte Literatin auch ihren Mann Gottfried. Er ist Anfang September 2022 gestorben.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2790" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/02/43882_angabe_der_person_8661.jpg" alt="43882_angabe_der_person_8661.jpg" width="1024" height="643" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/02/43882_angabe_der_person_8661.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/02/43882_angabe_der_person_8661-300x188.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2023/02/43882_angabe_der_person_8661-768x482.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Fritzi Haberlandt und Bernd Moss</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;In ihrem autobiographischen Erzählstil kommt sie vom Hundertsten ins Tausendste ohne den roten Faden zu verlieren. „Zu niemandem bin ich so gerecht wie zu mir“, erklärt sie. Schonungslos, ohne Rücksicht auf Verluste. „Ich bin eine, die fällt, oder gefällt wird, je nachdem, wie man es sieht.“ In diesem Text hat sie alles selbst in der Hand. Bevor sie jedoch selbst das Wort an sich setzt, fällt sie etliche andere. Zum Beispiel die Nazis in Vergangenheit und Gegenwart. Namentlich die beiden Naziverbrecher Baldur von Schirach (Reichsjugendführer und Reichsstatthalter in Wien) und Arthur Seyß-Inquart (Reichskommissar für die Niederlande). Dass in diesem Kontext auch der Name Alexander Gauland auf der Theaterbühne fällt, verwundert nicht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Indes fallen auch die Namen von Schubert und Schumann. Schließlich hat sich die Jelinek von Kindheit an mit Musik beschäftigt. Jossi Wieler schließt daraus: „Sprache ist bei ihr Musik und Komposition.“ Vielleicht lässt sich von den Akteurinnen deshalb dieser Text so virtuos beherrschen, weil sie diese Metaebene verinnerlicht haben. Wie dieses Trio jedenfalls zunächst solo und am Ende zusammen die „Lebenslaufbahn“ der Nobelpreisträgerin reflektiert, ist Sprechkunst in Vollendung. Zweieinhalb pausenlose Stunden, von denen keine Sekunde langweilig ist.</p>
<p><strong>Info: &nbsp;</strong>Nächste Aufführungen am 5./6./20./23./31. März; <a href="https://www.deutschestheater.de" target="_blank" rel="noopener">www.deutschestheater.de</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em> &nbsp; &nbsp;&nbsp;</p>
<p>(25.02.23)</p>
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		<title>„Lernt schwimmen“ mahnt der Untergeher</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/lernt-schwimmen-mahnt-der-untergeher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Apr 2022 11:35:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA[Biedermann]]></category>
		<category><![CDATA[Bodó]]></category>
		<category><![CDATA[Erich Kästner]]></category>
		<category><![CDATA[Fabian]]></category>
		<category><![CDATA[Felix Strobel]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspielhaus Stuttgart]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2554" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2554" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/1a012eeaeb122a02203dc2dc6959bb93.jpg" alt="Foto: Thomas Aurin" class="caption" title="Grell, schrill, schnell - der Revue-Tanz auf dem Vulkan." width="950" height="634" />Grell, schrill, schnell - der Revue-Tanz auf dem Vulkan.[/caption]<p>Ein Donnerschlag, dann zieht Gewisper durch das Stuttgarter Schauspielhaus.&#160;„Nervosität an den Kaffeemärkten“, „Verbrecherdrama in Chicago“ oder „Überraschung von oben – Kind fällt aus Zeppelin“. Der Vorhang geht auf, der Tanz auf dem Vulkan kann beginnen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Die Schlagzeilen sind die Gesteinsbrocken, die der Vulkan spuckt, bevor er ausbrechen und Europa verwüsten wird. Der Schwarze Freitag 1929 an der New Yorker Börse fällt einem ein, der zur Weltwirtschaftskrise geführt hat, der Verfall der Währung. Sie ausgeben bevor sie nichts mehr wert ist, lautet die Devise. In diese Welt hinein schlendert Erich Kästners Fabian, um vor die Hunde zu gehen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Das hat er zu Beginn gewiss nicht vor, weil er nichts vor hat. Der Mann ist rat- und arbeitslos. Wie viele andere seiner Zeitgenossinnen und Genossen. Die fast jede Arbeit annehmen, manchmal um den Preis der Selbstaufgabe. Wie Fabians Freundin Cornelia. Sie hat die Chance auf ein Engagement als Filmschauspielerin; muss dazu jedoch zuerst mit dem Produzenten ins Bett. Damit verliert sie den Freund. Eine exemplarische Schattenseite in diesem Überlebensspiel um alles oder nichts.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Bühnenbildner Juli Balázs hat ganze Arbeit geleistet und gleich zwei Spielstätten übereinandergestapelt. Welt und Unterwelt. Oben lässt sich Fabian durch eine Säulenhalle treiben, in der ihn durch die Musik von Klaus von Heydenaber befördert hektisches Leben umgibt. Gábor Biedermann lässt diesen Fabian mit unbewegter Miene, in der sich nur manchmal Überraschung mit ungläubigem Staunen mischt, durch das Geschehen treiben. Amüsierbetriebe und Revuen, in denen erotisch geschwängert die Post abgeht. Der Tanz auf dem Vulkan im Wortsinne. Das Bedürfnis nach Zuneigung und Sicherheit wird permanent konterkariert. Grell, lebenssüchtig. Das gesamte 16-köpfige Ensemble ist mit sichtlichem Spaß am Spiel dabei. Überzieht nach Kräften, um den Kontrast zur Handlung nach der Pause zu schärfen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2555" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/fabian_3_foto_thomas_aurin.jpg" alt="fabian_3_foto_thomas_aurin.jpg" width="1280" height="861" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/fabian_3_foto_thomas_aurin.jpg 1280w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/fabian_3_foto_thomas_aurin-300x202.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/fabian_3_foto_thomas_aurin-1024x689.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/fabian_3_foto_thomas_aurin-768x517.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1280px) 100vw, 1280px" /></p>
<p>&nbsp; &nbsp;Wenn es ans Eingemachte geht. Die Menschen verkaufen sich, um zu überleben. Frei nach Brecht: Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral. Das Ergebnis ist das große Scheitern: Der Liebe zwischen Fabian und der so anziehend natürlichen Paula Skorupa als Cornelia Battenberg, die wie ein sicherer Anker in dieser stürmischen See wirkt, bis im Filmbusiness die Moral zum Teufel geht. Der beruflichen Vision von Fabians geradlinigem und top organisiertem Freund Stephan Labude, der sich umbringt, als er den sicher geglaubten Job nicht bekommt (man leidet mit Felix Strobel mit). Da treibt es Regisseur Viktor Bodó auf die Spitze und mit Entsetzen Spott. Mehr bittere Ironie geht nicht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Ein Witz löst das finale Desaster aus. Der Assistent des Professors, bei dem Labude seine Arbeit eingereicht hatte, teilt ihm mit, sie sei ungenügend. Ein sehr schlechter Scherz, denn das Gegenteil ist richtig. Dr. Jakob Fabian steht vor einem Trümmerberg enttäuschter und getäuschter Hoffnungen, der in diesem werkgetreuen Epos über zweieinhalb spannende, anregende, aufregende und zuletzt unendlich traurige Stunden angehäuft worden ist. Wer würde da nicht ins Wasser gehen. Umso kryptischer klingt Kästners Schlussappell „Lernt schwimmen“. Oben bleiben, bevor man untergeht. Es gar nicht erst soweit kommen lassen mit den Zeiten. Insofern ist diese Erzählung auch eine Mahnung für uns Heutige. Verdienter großer Beifall!</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(29.04.2022)&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Was Nina wusste</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/was-nina-wusste-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 18 Apr 2022 07:02:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Was Nina wusste"]]></category>
		<category><![CDATA[David Grossman]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches SchauSpielHaus Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Dušan David Pařizek]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Ute Hannig]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="media/k2/items/src/9da5ba405e428d33ec6f21eff5dda49d.jpg" alt="" /><p>Familientreffen bieten häufig den Stoff aus dem Alpträume gemacht sind. Im Falle der Dramatisierung des Romans „Was Nina wusste“ des israelischen Autors David Grossman ist es ein 90. Geburtstag.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Mit seiner Inszenierung einer wesentlich von der dunklen Seite der Macht geprägten israelisch-jugoslawischen Familiengeschichte gelingt dem renommierten Regisseur Dušan David Pařizek am Deutschen SchauSpielHaus Hamburg fast die Quadratur des Kreises. Weil er der inhärenten Brüchigkeit dramatischen Halt gibt. Und weil ihm ein bravourös spielendes Ensemble zur Verfügung steht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Das vom Regisseur auch adaptierte Stück beginnt denkbar harmlos. Ein Gitarrist intoniert „That‘s my way“, plaudert auf Englisch mit dem Publikum im Malersaal bis zum Stichwort „A special night for a special lady“. Letztere ist die Großmutter Vera in der vitalen Bühnengestalt von Ute Hannig. Neben und mit ihr agieren auf gleichem Niveau Eva Maria Nikolaus als ihre Tochter Nina und die erfrischend direkte Sandra Gerling als Enkelin Gili. Wenn Maximilian Scheidt nicht Gitarre spielt, verkörpert er facettenreich Veras zweiten Ehemann Tuvia und dessen Sohn Rafael.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Unter tatkräftiger Mithilfe der hartnäckig nachfragenden Enkelin fallen nach und nach die Masken und geben frösteln machende Gefühlswelten frei. Denn bis auf Gili trägt hier jeder und jede die schwere Last individueller Verantwortung. Wobei die im Rückblick offen gelegten Verhältnisse diese Last wieder relativieren. Vera wurde unter Tito auf die als Straflager dienende mehr als karge Insel Goli Otok deportiert. Vor die Entscheidung gestellt, ihren Geliebten als stalinistischen Spion zu denunzieren oder ihre Tochter zu verlieren, entschied sie sich gegen das Kind. Dadurch traumatisiert, verlässt Nina später Mann und Kind und sucht Zuflucht in der Arktis, in der Kälte. Diese Kälte trägt Eva Maria Nikolaus lange Zeit in ihrem erstarrten bleichen Gesicht durch den Raum, bis am Ende der Katharsis ein schmales Lächeln darin aufscheint.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Der Erstarrung im ewigen Eis entspricht das wackelige, viereckige Stangengerüst, das Pařizek als weiteren Spielort installiert hat. Ein instabiler Raum als Symbol für alles, was geschieht und geschehen ist. Später werden die Frauen ruckzuck das Gerüst abbauen und zur Seite schieben, während der Geschichte(n) erzählende Mann mehr oder weniger im Weg herumsteht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Schlaglichter werfen in doppeltem Sinne Overhead-Projektoren. Sie beleuchten Protagonisten und doppeln diese zugleich im an die Betonwand geworfenen Bild. Mit diesem Kunstgriff erzielt der auch für die Bühne verantwortliche Regisseur doppelte Wirkung.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Zwischendurch wird auf die Pauke gehauen, getrommelt und Akkordeon gespielt. Musikalische Farbtupfer in einem farbenreichen Bühnengemälde, in dem Pařizek mit großem Spielwitz ein dunkles Kapitel der Weltgeschichte mit leichter Hand aufschlägt. Zum Schluss machen sie gemeinsam einen Ausflug nach Goli Otok. In heiterer Gelassenheit. Die Vergangenheit lähmt nicht mehr.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Der Würgeengel</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/der-wuergeengel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 17 Apr 2022 14:24:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Der Würgeengel"]]></category>
		<category><![CDATA[Luis Bunuel]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel Stuttgart]]></category>
		<category><![CDATA[Viktor Bodó]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="media/k2/items/src/1be563d4d70cbf02096c113db1462610.jpg" alt="" /><p>In Viktor Bodós Inszenierung am Stuttgarter Schauspielhaus ist der Fall von Anfang an klar. Luis Buñuels „Würgeengel“ heißt bei ihm Corona.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Er hält die feine Gesellschaft in Isolation, schottet sie ab gegen die Außenwelt. Das kann nur eine Zeitlang gut gehen. Dann lassen die atavistischen Grundmuster ihre Träger von der Leine; das gesittete Treffen läuft aus dem Ruder.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Was die zwölf Schauspielerinnen und Schauspieler mit großem Mut zur Hässlichkeit und Selbstentblößung vorzeigen, hat ohne Zweifel hohen Unterhaltungswert. Wie sie in hohlen Phrasen aneinander vorbei und aufeinander einreden, ihre Egotrips zelebrieren und ihre Animositäten zur Schau stellen, taugt zu großem Amüsement. Nur Beklemmung will sich bei Betrachtung der im Wortsinne ausweglosen Situation nicht einstellen. Die Teilnehmer des Treffens kommen sich Corona bedingt real ebenso wenig nahe, wie diese Filmadaption einem Teil des Publikums.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Frage, die jede und jeder für sich selbst beantworten muss, lautet: Surft der ungarische Regisseur mit handwerklicher Bravour auf der Welle der Oberfläche des theatralen Stoffs; oder findet er eine griffige und dennoch tragende Metapher für die Zustände, in die von der Außenwelt abgeschlossene Menschen geraten können mit allen schlimmen Folgen für eine Gesellschaft.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Da trudeln sie also nacheinander durch die Schleuse ein, die ihre Identität scannt. Die Coole, der Macher, die Schusselige, der Selbstherrliche, der Selbstzweifler, die Gelangweilte und so fort. Zuvor hat die Angestellte Gloria Riger die Tafel für die Runde in Schuss gebracht, die Mikros natürlich mit einem Sprühstoß aus der Desinfektionsflasche versehen. Cecilia Rongen gibt dieser Gestalt zunehmend panische Züge. Kein Wunder bei dieser Gesellschaft.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Am großen runden Tisch unter einer großen Projektionsfläche reden sie in unterschiedlichen Sprachen. Die beiden Übersetzer in ihrer Kabine sitzen auf verlorenem Posten. Blickt man auf die wie ein blonder Helm fest sitzende Haartracht der Gastgeberin, drängt sich die Assoziation mit der Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, förmlich auf.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Der spanische Filmemacher hält sich selbst für einen „Feind jeder Art von Gesellschaft“.&nbsp;&nbsp;Jeder Mensch erscheint ihm zwar „des Interesses würdig“; aber nur als Einzelner. Warum? „Wenn mehrere zusammenkommen, wird ihre Aggressivität frei und verwandelt sich in Angriff oder Flucht, übt Gewalt aus oder erleidet sie.“ Diese Beobachtung reflektiert der Regisseur in mitunter vogelwilder Szenerie.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Deutet man das von Lili Izsák geschaffene Bühnenarrangement als EU-Ministerrat, wird einem unwohl. Die Runde lässt dem Unheil seinen Lauf, läuft sogar mit, statt zu versuchen, ihm Einhalt zu gebieten. Insofern stellt Bodó einen von realer Angst bestimmten Mikrokosmos der pandemischen Gesellschaft vor. Mit dem alerten Politiker Edmund Nobile (Michael Stiller), seiner gestylten Gattin Lucia (Sylvana Krappatsch), ihrer Affäre Christian Gomez (Peer Oscar Musinowski), der Sängerin Silvia Carell (Christiane Rossbach), die zugleich die Partnerin des Dirigenten und Pianisten Roland Spitzweg (Klaus von Heydenaber) ist, dem Studenten Benedikt Löwenfels (Valentin Richter), seiner Freundin Beatrice Heidelbach (Amina Merai), dem Arzt Dr. Victor Condé (Reinhard Mahlberg), der eingebildeten Kranken Leonora von Wisslowsky (Anne-Marie Lux), der reichen Erbin Johanna Avila (Therese Dörr) und ihrem jüngeren Bruder Frank (Gábor Biedermann). Mit der Angestellten Gloria sind dann alle Gesellschaftsschichten in diesem Raum ohne Ausgang versammelt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;So kommt es, wie es kommen muss. „Wir sind doch nicht alle hier verrückt, oder?“, versucht der Politiker die sich streitende Tischgesellschaft zur Ordnung zu rufen. Keine Chance. Der nackte Wahnsinn hat bereits unheilbar Einzug gehalten. Alles gerät aus dem Leim und Lot. Weil das so schön ist, hält sich der Regisseur an Buñuels Wiederholungsmantra. Unter dem hämischen Gelächter der feinen Leute muss die Angestellte mehrmals mit einem Tablett voller Teller straucheln.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Essen gibt es übrigens keines. Nur im eingeblendeten Video geschieht das große Fressen. Real bleibt nichts. Außer Gewalt, Sex und Entblößung als Ultima ratio. Der Trieb siegt über den Verstand. Schafft indes keine Befriedigung. Am Ende sind sie alle ein großer Haufen Elend. Am augenfälligsten in der derangierten Gestalt von Sylvana Krappatsch zur angstvollen Fratze des Elends geronnen. Nach Musinowskis bravouröser viriler Breakdanceeinlage und dem Catwalk des Ensembles auf dem runden Tisch implodiert die aufrechte Haltung. Ab durch den Hinterausgang, der sich neben der Übersetzerkabine öffnet. Glück gehabt?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
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			</item>
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		<title>Wo die Zuneigung mit Zähnen knirscht</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/wo-die-zuneigung-mit-zaehnen-knirscht-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 16 Apr 2022 13:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Am Ende Licht"]]></category>
		<category><![CDATA[Elmar Goerden]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Schauspiel Stuttgart]]></category>
		<category><![CDATA[Simon Stephens]]></category>
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					<description><![CDATA[<img src="media/k2/items/src/ca799c3c70cb8eac9ab96b4e08b0da03.jpg" alt="" /><p>Ja, Simon Stephens hat mit „Am Ende Licht“ ein Familienstück geschrieben; keines jedoch für die Familie. Marke Friede, Freude, Eierkuchen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Immerhin beginnt es mit dem Tod der Mutter und endet mit deren Beerdigung. Trost spendet sie selbst, weil sie permanent durch die mit großen und kleinen silberfarbenen Kugeln bestückte Bühne des Stuttgarter Staatsschauspiels huscht. Mutter Christine ist in Elmar Goerdens Inszenierung, die der Vorlage exakt folgt, immer und überall</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Leibhaftig oder nur in ihrem Kopf, fragt sich die alleinerziehende Tochter Ashe, als sie ihr begegnet. Die Antwort bleibt offen, als sich die Tür zum Kinderzimmer schließt, wo sie ihren Enkel sehen will. Wem begegnet das Publikum noch in dieser Familienaufstellung? Tochter Jess, einer lebenshungrigen Volksschullehrerin, die sich in ihren Sexpartner Michael verliebt. Dem schwulen Sohn Steven, der Angst hat, dass ihn sein Freund Andy verlässt. Schließlich dem ziemlich schmierigen Ehemann Bernard, der sich gerade bereit macht, seine im Getränkemarkt einer Hirnblutung erliegenden Gattin mit zwei jungen Frauen zu betrügen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Als Dramatiker muss man das sogenannte wahre Leben etwas aufpeppen, um daraus Bühnenstoff saugen zu können. Andererseits kommt den Zuschauerinnen und Zuschauern im Corona bedingt nur knapp besetzten Saal das Treiben doch ziemlich bekannt vor. Stephens‘ Stück bewegt sich auf dem schmalen Grat zwischen kitschiger Kolportage und messerscharf gnadenloser Beobachtung, wobei das schmale Band der Empathie das Geschehen dauerhaft umschließt. Sie küssten und sie schlugen sich &#8211; immer in der Angst vor dem Verlust, immer in der verzweifelten Suche nach Zuneigung.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Es beginnt mit Sylvana Krappatschs großem Monolog, in dem sie ausdrucksstark Christines Sterben und dessen Ursache beschreibt. Anschließend verschwindet der transparente Getränkeshop im Bühnenhimmel. Möglicherweise hat sie sich zu Tode gesoffen. Keine seltene Art, nicht nur auf Englands verarmtem flachen Land, sich das triste Leben schön zu trinken. Im fliegenden Szenenwechsel und im Gewimmel der um fünf farbige Exemplare ergänzten Kugeln des Bühnenbilds von Silvio Merlo und Ulf Stengl erlebt man das Hin und Her, das Auf und Ab der einzelnen Personenkonstellationen wie auf einem Billardtisch.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Klaus Rodewald gibt den Gatten Bernard dickbäuchig mit langen ungepflegten Haaren als egomanischen Kotzbrocken, der sich mit den durchaus berechnenden Mädels Michaela (Marietta Meguid) und Emma (Therese Dörr) in einem Hotel verlustieren möchte. Die Lehrerin Jess ist in Katharina Hauters Interpretation eine ziemlich aufgedrehte Frau, die sich schwertut, mit dem nächtlichen Sex klarzukommen, den sie mit Michael gehabt hat. Ihn zeichnet Sebastian Röhrle leicht angespannt abwartend auf das, was mit Jess noch auf ihn zukommen wird. Es lohnt sich.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Eine großartige Leistung bietet Jannik Mühlenweg als innerlich total aufgewühlter Steven, der weit mehr Lust auf Andy als auf sein Jurastudium hat. Umgekehrt wäre es besser, weil ihm der alerte und in der Darstellung Marco Massafras reichlich selbstgefällige Partner zunehmend die kalte Schulter zeigt. Der ehemalige Junkie Joe (Peer Oscar Musinowski) beißt mit seiner flehenden Bitte um Zuneigung bei seiner Ex Ashe auf Granit. Sie will Kohle für ihr Kind von ihm und keine leeren Versprechungen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Diese Ashe der Nina Siewert ist eine starke Frau, die aus ihrem Herzen keine Mördergrube macht und der Sorge um die Bewältigung des alltäglichen Daseins auch lautstark Luft verschafft. Logisch, dass nur sie es sein kann, die am Ende die Trauerrede für die tote Mutter halten wird. Sie probt dafür im Angesicht des Publikums. Ein starker Abgang.&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer&nbsp;</em></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Selten war grau so schön</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/selten-war-grau-so-schoen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 01 Apr 2022 09:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Der Menschenfeind"]]></category>
		<category><![CDATA[Anne Lenk]]></category>
		<category><![CDATA[Deutsches Theater Berlin]]></category>
		<category><![CDATA[Jürgen Gosch]]></category>
		<category><![CDATA[Molière]]></category>
		<category><![CDATA[Ulrich Mathes]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/selten-war-grau-so-schoen/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2500" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2500" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/cc49f8fe58339a73a36a496e4b8c3389.jpg" alt="Fotos: Arno Declair" class="caption" title="Auf dem Bild (v.l.): Ulrich Matthes, Manuel Harder, Lisa Hrdina, Franziska Machens, Jeremy Mockridge, Elias Arens" width="1024" height="684" />Auf dem Bild (v.l.): Ulrich Matthes, Manuel Harder, Lisa Hrdina, Franziska Machens, Jeremy Mockridge, Elias Arens[/caption]<p>Grau wohin man sieht. Sehr gepflegtes Grau.&#160;Keine Farbe könnte besser passen zu diesem sehr distinguierten Menschenfeind, den Ulrich Mathes in Molières gleichnamiger Komödie auf der Bühne des Deutschen Theaters in Berlin glänzen lässt.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp;Die ganz auf das Spiel der Worte reduzierte Inszenierung von Anne Lenk steht nicht von ungefähr bereits im vierten Jahr auf dem Spielplan, das Coronajahr 2020 eingerechnet.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Allein schon Florian Lösches Bühne ist ein echter Hingucker. Ein Vorhang aus grausilbern schimmernden Gummisträngen begrenzt die zum Zuschauerraum hin leicht abgeschrägte Spielfläche wie ein hermetisch abschließendes Korsett. Indes wirkt es nur optisch so. Man kann hindurch und herein schlüpfen, sich darin verfangen und mit den dehnbaren Seilen spielen. Diese Bühne also symbolisiert den Inhalt des Stückes. Denn sie ist das Refugium der jungen Witwe Célimène. Und zugleich der Salon, in dem sich die unterschiedlichsten Charaktere präsentieren &#8211; und dabei auch entlarven dürfen. Der alte Hagestolz Alceste begibt sich von seinem Anspruchsdenken her in Feindesland &#8211; und meint, er streite sich auf heimischem Revier.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Tatsächlich lässt Anne Lenk zwei ganz unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinandertreffen. Ein Relikt der dominanten Männergesellschaft sieht sich plötzlich im Konflikt mit einer zu allem Unglück von ihm noch geliebten Frau, die deutlich emanzipatorische Züge trägt. Das kann nicht gut gehen. Weder damals noch heute.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Weil die selbstbewusste junge Frau den gräulichen Alceste zwar durchaus mag; andererseits liebt sie auch das Leben, das sie endlich mal wieder genießen möchte. Alles nicht so einfach in dieser aufgeblasenen Männerwelt. Franziska Machens gibt mit ihrem frischen Temperament, wie sie immer wieder halb staunend, halb fassungslos auf das Gehabe der Herrn der Schöpfung blickt, den perfekten Gegenpol zu diesem Sammelsurium der selbstgerechten Eitelkeiten. Timo Weisschnur kann als überspannt gockelnder junger Poet Oronte ebenso wenig bei ihr landen wie die beiden adeligen Schnösel Acaste (Jeremy Mockridge) und Clitandre (Elias Arens) mit ihrem selbstgefälligen Gebalze.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2501" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/25337_menschenfeind_2810.jpg" alt="25337_menschenfeind_2810.jpg" width="1015" height="1024" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/25337_menschenfeind_2810.jpg 1015w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/25337_menschenfeind_2810-297x300.jpg 297w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/25337_menschenfeind_2810-150x150.jpg 150w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/04/25337_menschenfeind_2810-768x775.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1015px) 100vw, 1015px" /></p>
<p>Arsinoé (Judith Hofmann) hat Célimène (Franziska Machens) alles andere als fest im Griff.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Auf Seite der Frauen versucht die altjüngferliche Arsinoé in Gestalt der personifizierten Moraltante Judith Hofmann bei Alceste zu punkten. Erntet indes nur wohlgereimte Gemeinheiten. Auch im mit verbalem Florett gefochtenen Rededuell mit Célimène geht sie als Verliererin vom Feld.&nbsp;&nbsp;Als beobachtendes Paar fungieren Éliante, die Lisa Hrdina mit resoluten, bodenständigen Zügen gibt, und Alcestes Freund und Klagemauer Philinte. Er ist bei dem mit souveräner Skepsis agierenden Manuel Harder in besten Händen.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Am Ende hat der Menschenfeind mit seinen absoluten Forderungen nach Anstand, Verzicht und Einsamkeit, in der nach seiner Lesart nur gegenseitige Achtung möglich ist, Célimène in die Flucht getrieben. Für sie sieht Freude am Leben anders aus. Er verschwindet ebenfalls flugs durch die Seile, ebenso flugs gefolgt von Philinte und Éliante. Man kann ja nie wissen, was der misslaunige Herr noch anstellen könnte. Mit diesem offenen Ende im Kopf, ist eines jedenfalls ganz klar: Selten war grau so schön.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;<strong>Info:</strong> Nächste Aufführung Montag, 2. Mai, 20 Uhr, <a href="https://www.deutsches" target="_blank" rel="noopener">www.deutsches</a>theater.de</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(22.03.2022)&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Vom Ende der Gier</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/vom-ende-der-gier/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Feb 2022 09:28:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Theater]]></category>
		<category><![CDATA["Eure Paläste sind leer"]]></category>
		<category><![CDATA[Anton Berman]]></category>
		<category><![CDATA[Jan-Christoph Gockel]]></category>
		<category><![CDATA[Katharina Bach]]></category>
		<category><![CDATA[Münchner Kammerspiele]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkreis]]></category>
		<category><![CDATA[Ostalbkultur]]></category>
		<category><![CDATA[Thomas Köck]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_2474" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-2474" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/02/c178efc47ba2b4935f7fc5480b3a1195.jpg" alt="Fotos: Armin Smailovic" class="caption" title="Michael Pietsch, Nanci Mensah-Offei und Bernardo Arias Portas führen die Marionetten der Konquistadoren." width="1024" height="682" />Michael Pietsch, Nanci Mensah-Offei und Bernardo Arias Portas führen die Marionetten der Konquistadoren.[/caption]<p>Das goldene Kalb hat bei Thomas Köck zwei Namenskürzel. Ein „M“ wie jenes einer großen Fast-Food-Kette, und ein „E“ wie ein berühmtes Goldland - Eldorado. Dazu muss man das „M“ nur nach links kippen.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp; &nbsp; Wie auf der Bühne der Münchner Kammerspiele in der von szenischen Bildern überbordenden Inszenierung des Stücks „Eure Paläste sind leer (all we ever wanted)“ von Jan-Christoph Gockel geschehen. Machtstreben und Gier gehen Hand in Hand, einst und heute. Und kein Ende in Sicht.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;„Ich lehne es ab, an das Ende der Menschheit zu glauben &#8230; Die Menschheit wird nicht nur Bestand haben, sondern siegen &#8230;“, hat der amerikanische Schriftsteller William Faulkner anno 1950 in einer Rede betont, nachdem sein Schaffen mit dem Nobelpreis gewürdigt worden war. 72 Jahre später bezieht der Dramatiker aus Österreich exakt die Gegenposition. Inzwischen weiß die Welt mehr &#8211; und man weiß mehr über die Welt in der wir leben. Wir wissen zwar, dass diese Welt uns nicht mehr mögen wird, wenn wir sie weiter ausbeuten wie bisher. Mit absehbaren und kaum noch umkehrbaren Folgen. Dieses Wissen hat bis dato jedoch maximal halbherzige Reaktionen zur Folge. Es droht ein Pyrrhussieg, um in Faulkners Bild zu bleiben.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Genau dieses Szenario beschreibt Thomas Köck in seinem Text. In den Händen von Jan-Christoph Gockel wird daraus ein Bilderbogen, der die tödliche Gefahr des Heroins, das sich Junkies in die Adern spritzen, mit der Plünderung und Unterjochung Lateinamerikas durch die spanischen Konquistadoren unter einen dramatischen Hut zu bringen versucht. Für die passende Musik sorgen zupackend Anton Berman am Keyboard und Maria Moling am Schlagzeug.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Oben auf der Balustrade eines verfallenen Palastes sitzen zu Beginn die Schauspielerinnen und Schauspieler und blicken mehr oder weniger spöttisch gelangweilt ins Publikum. Jetzt werden wir euch da unten zeigen, was Sache ist.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Die Sache in Gang bringt der blinde Seher Teiresias, der hinter seiner blutigen Augenbinde Weitsicht offenbart. Keine schönen Aussichten. Köcks Teiresias allerdings verweigert sich dem aktiven Handeln. Hätte ohnehin keinen Zweck. Und so schwappt der antike Mythos Ruckzuck hinein in die Gegenwart, in die Hölle auf Erden. Als deren Leidensmann wird der hochgewachsene hyperschlanke Bernardo Arias Porras zur beherrschenden Figur; in ihm nimmt das Drama Gestalt an. Er erinnert an Walter Benjamins „Engel der Geschichte“, von dem er sagt: „Er hat das Antlitz der Vergangenheit zugewendet. Wo eine Kette von Begebenheiten vor uns erscheint, da sieht er eine einzige Katastrophe, die unablässig Trümmer auf Trümmer häuft.“</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Es beginnt mit kurzen Szenenschnitten; zwei Stimmen aus dem Off sprechen tiefsinnige Sätze &#8211; bis der leere Palast nach dem Intro nach und nach wieder bevölkert wird. Nicht nur mit Menschen. Marionetten im Gewand der Konquistadoren und eines glupschäugigen Mönchs als goldgeilem Antreiber übernehmen Hauptrollen &#8211; und ein Golf dient als Vehikel, um sie ins gelobte Dschungelland zu bringen.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-2475" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/02/Kind_mit_Junkie.jpg" alt="Kind_mit_Junkie.jpg" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/02/Kind_mit_Junkie.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/02/Kind_mit_Junkie-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2022/02/Kind_mit_Junkie-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Medienschelte findet ebenfalls statt. Ein schrilles Kamerateam rückt dem Junkie auf die Pelle, um ihn auszuquetschen. Erfolglos. Ohnehin behauptet dieses Stück seiner inneren Logik gemäß dystopisch den Misserfolg. Symbolisiert noch, indem Regisseur Gockel sein Ensemble auf Rollschuhe stellt, die einigen nur so unter den Füßen wegflutschen. Ein paar andere im knallroten Dress kurven dagegen vergnügt um die armen Würstchen herum, die sich kaum auf den Beinen halten können. Passend zu dieser Armseligkeit stapft noch ein riesiger Schlachter in &#8211; natürlich &#8211; roter Schürze herbei, den es zu Taten drängt.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Das sind die Kippmomente in dieser Inszenierung von der lärmenden Groteske zum Totentanz. „Der Palast ist leer“. Wie ein Mantra durchzieht diese finale Feststellung das Stück. Man könnte auch sagen, der Planet ist am Ende.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Nach der Pause nimmt das Stück dramatisch an Fahrt auf, erreicht es die emotionale Dichte, die einen fesselt. Ein auf den Bühnenvorhang projizierte Kindermarionette blickt das Publikum aus seinen großen Augen an, fragend, skeptisch, traurig. Lange, bis sie sich in die Bühne hineinwagt, den bröseligen Ort erkundet, die Treppe hinauf zum Junkie in seiner Kammer geht. Die Fäden führt bravourös ihr Schöpfer Michael Pietsch, der auch die übrigen Puppen gebaut hat, darunter eine ganze Armee von kleiner spanischer Soldateska.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Machen wir es kurz. Am Ende sind erwartungsgemäß alle tot. Die coole, drahtige bei Bedarf auch noch Trompete spielende Katharina Bach, die intensive und so schöne Nancy Mensah-Offei, die kontrollierte Leonie Schulz, Christian Löber und Michael Pietsch. Ins Jenseits befördert von einem Deus ex machina. Zeit für den Seher, mit einem riesigen weißen Leintuch (oder Totentuch?), das der kleine Junge zuvor über die Bühne gezogen hatte, die gesamte Szenerie einzuhüllen. Gleichzeitig bereitet er damit den ultimativen Ort für das Schlussbild. Alle treten nochmals auf, ganz in weiß. Geister, die aus schwarzen Augenschlitzen ihr Publikum betrachten. Selbst der Marionettenjunge ist „vergeistert“. Ein Menetekel? Nach kurzem Innehalten danken viele „Bravos“ dem Ensemble für einen großartigen, denkwürdigen Theaterabend.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;<strong>&nbsp;Info:</strong>&nbsp;Die nächste Aufführung ist am Freitag, 18. März, 19 Uhr. Karten: E-Mail: <a href="mailto:theaterkasse@kammerspiele.de">theaterkasse@kammerspiele.de</a>;<br /><a href="http://www.muenchner-kammerspiele.de/" target="_blank" rel="noopener">www.muenchner-kammerspiele.de</a>; Tel. &nbsp;089 / 233 966 00.</p>
<p><em>Wolfgang Nußbaumer</em></p>
<p>(22.02.2022)</p>
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