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	<title>Archiv Menschen &#8211; ostalb.net</title>
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	<description>Kultur aus Ost-Württemberg</description>
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		<title>Kultur auf&#8217;s flache Land?</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/kultur-auf-s-flache-land/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Sep 2017 10:32:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_1239" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-1239" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/346cfc4cda7a853e9a165b7df6f7b442.jpg" alt="" class="caption" title="Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (l.) sowie Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hören Klaus Pavel, Landrat des Ostalbkreises und Projektträger, aufmerksam zu." width="550" height="367" />Petra Olschowski, Staatssekretärin im Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (l.) sowie Hortensia Völckers, Künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, hören Klaus Pavel, Landrat des Ostalbkreises und Projektträger, aufmerksam zu.[/caption]<p>Welche Kultur braucht der l&#228;ndliche Raum? Und was braucht Kultur im l&#228;ndlichen Raum?</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>An welchen Kriterien kann gute Kulturarbeit im l&auml;ndlichen Raum gemessen werden und welche Rahmenbedingungen sind n&ouml;tig, damit Kulturinstitutionen und Kulturakteure vor Ort lebendige Kulturangebote f&uuml;r und mit den Menschen umsetzen k&ouml;nnen? Im Rahmen der &#8222;Kulturplattform #2&#8220; der &#8222;Lernenden Kulturregion Schw&auml;bische Alb&#8220; dieser Tage in H&uuml;lben wurden diese Fragen in vier Fachforen &ouml;ffentlich diskutiert. Unter den &uuml;ber 120 Teilnehmern waren Kulturakteure, Vereine und Verb&auml;nde, B&uuml;rger und B&uuml;rgermeister sowie Vertreter aus Verwaltung und Politik. An den Forendiskussionen beteiligten sich namhafte Vertreter der regionalen Kultureinrichtungen und Landesverb&auml;nde, darunter Dr. J&ouml;rg Schmidt, Pr&auml;sident des Schw&auml;bischen Chorverbandes, Naemi Zoe Keuler, Pr&auml;sidentin des Landesverbandes Amateurtheater Baden-W&uuml;rttemberg, Jan Merk, Pr&auml;sident des Museumsverbandes Baden-W&uuml;rttemberg, und Clemens Ottnad, Gesch&auml;ftsf&uuml;hrer des K&uuml;nstlerbundes Baden-W&uuml;rttemberg.&nbsp;Die Veranstaltung fand im Rahmen des Programms &raquo;TRAFO &ndash; Modelle f&uuml;r Kultur im Wandel&laquo; der Kulturstiftung des Bundes statt.I</p>
<p>In den verschiedenen Foren wurde betont, wie vielf&auml;ltig die Kulturarbeit und deren Aufgaben im l&auml;ndlichen Raum sind. Dementsprechend k&ouml;nne nicht zwischen guter und schlechter Kulturarbeit entschieden werden. Besonders fatal sei es, gute Kulturarbeit im l&auml;ndlichen Raum an den Merkmalen st&auml;dtischer Kulturangebote zu messen, da zukunftsweisende und nachhaltige Kulturarbeit nur auf der Grundlage der vorhandenen Lebensbedingungen entstehen kann. Vielmehr sollte danach gefragt werden, ob die vorhandenen Angebote zur gesellschaftlichen Entwicklung vor Ort beitragen und mit ihnen Zusammenhalt, Austausch und Innovation gef&ouml;rdert werden k&ouml;nnen. Um sich diesem Anspruch zu stellen, m&uuml;ssten aber auch die Rahmenbedingungen f&uuml;r Kulturschaffende im l&auml;ndlichen Raum verbessert werden. Beratungsleistungen und Qualifizierungsangebote, eine bessere finanzielle Unterst&uuml;tzung und unb&uuml;rokratische F&ouml;rdermodelle wurden als W&uuml;nsche seitens der Teilnehmer formuliert. Die St&auml;rkung der regionalen Kulturarbeit sei aber ebenso auf die sparten&uuml;bergreifende Zusammenarbeit und interinstitutionelle Vernetzung der Vereine, Verb&auml;nde und Einrichtungen wie auch auf eine bessere Kommunikation vor Ort angewiesen. Das Engagement zentraler Personen und der R&uuml;ckhalt durch den B&uuml;rgermeister oder wichtige Multiplikatoren wurden als weitere Gelingensbedingungen genannt.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class=" size-full wp-image-1240" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Saal-550x309.jpg" alt="Saal-550x309.jpg" width="550" height="309" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Saal-550x309.jpg 550w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Saal-550x309-300x169.jpg 300w" sizes="(max-width: 550px) 100vw, 550px" /></p>
<p>Vereint im Zeichen der Kultur &#8211; Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Saal sind ganz Ohr.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Im Nachgang der Foren diskutierten Friedlinde Gurr-Hirsch, Staatssekret&auml;rin im Ministerium f&uuml;r L&auml;ndlichen Raum und Verbraucherschutz, Petra Olschowski, Staatssekret&auml;rin im Ministerium f&uuml;r Wissenschaft, Forschung und Kunst, Klaus Pavel, Landrat des Ostalbkreises und Projekttr&auml;ger, Thomas Reumann, Landrat des Landkreises Reutlingen, sowie Hortensia V&ouml;lckers, K&uuml;nstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, auf welche politischen Besonderheiten die Kulturf&ouml;rderung in l&auml;ndlichen Regionen und kleineren St&auml;dten reagieren muss und welche kulturpolitischen Instrumente greifen, um die Kulturarbeit im l&auml;ndlichen Raum langfristig zu unterst&uuml;tzen. Staatssekret&auml;rin Gurr-Hirsch hob das starke ehrenamtliche Engagement in der Region und die Vielfalt der &ouml;rtlichen Kulturarbeit hervor. Staatssekret&auml;rin Olschowski betonte, dass man vor allem auch &uuml;ber sparten&uuml;bergreifende Konzepte und hauptamtliche Strukturen reden m&uuml;sse. Eine gemeinsame Netzwerkstelle zur Unterst&uuml;tzung der regionalen Kulturakteure war eine Idee von Landrat Pavel, der sich hier&uuml;ber mit den Landr&auml;ten der sieben beteiligten Landkreise verst&auml;ndigen m&ouml;chte und Zustimmung seines Kollegen Landrat Reumann erhielt. Dass zwei Ministerien und sieben Landkreise an der Lernenden Kulturregion beteiligt sind, wertete Hortensia V&ouml;lckers als wichtige Grundlage f&uuml;r die Zukunft der TRAFO-Idee in Baden-W&uuml;rttemberg.</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-1241" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Forum-Theater-2.jpg" alt="Forum-Theater-2.jpg" width="1024" height="576" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Forum-Theater-2.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Forum-Theater-2-300x169.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/09/Forum-Theater-2-768x432.jpg 768w" sizes="(max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Theatermacher und solche, die es werden wollen, im Gespr&auml;ch.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Auch die Kulturwerkst&auml;tten, die sich in der Lernenden Kulturregion Schw&auml;bische Alb engagieren, brachten ihre Erfahrungen ein. Die Opernfestspiele Heidenheim, das Landestheater T&uuml;bingen, das Theater Lindenhof in Melchingen, das Federseemuseum Bad Buchau und die inter!m &ndash; Kulturhandlungen mit dem Museum Villa Rot in Burgrieden gaben Beispiele f&uuml;r innovative Kulturprojekte, die sie in den vergangenen zwei Jahren im Rahmen des TRAFO-Programms entwickelt haben. Sie verdeutlichten, wie Kultureinrichtungen in die Fl&auml;che wirken k&ouml;nnen, um mehr Menschen im l&auml;ndlichen Raum mit Kunst und Kultur zu erreichen: Durch Theaterprojekte mit der Dorfbev&ouml;lkerung, Erz&auml;hlcaf&eacute;s, die musikalische F&ouml;rderung von Kindern und Jugendlichen, durch arch&auml;ologische Vermittlungsprojekte oder performative und mediale Gemeinschaftsproduktionen. (Einen Kommentar dazu finden Sie in der Rubrik &#8222;Na sowas&#8220;)</p>
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		<title>Zwei aufrechte Demokraten</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/zwei-aufrechte-demokraten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Jul 2017 13:43:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[Menschen]]></category>
		<category><![CDATA[EBR]]></category>
		<category><![CDATA[Eugen Bolz]]></category>
		<category><![CDATA[Fritz Bauer]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_1150" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-1150" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/07/c5949b98a954ba20a6a6d17790280cde.jpg" alt="" class="caption" title="Die Biografie von Irmtrud Wojak bringt Fritz Bauer in all seinen Facetten näher." width="594" height="945" />Die Biografie von Irmtrud Wojak bringt Fritz Bauer in all seinen Facetten näher.[/caption]<p>Was haben Fritz Bauer und Eugen Bolz gemeinsam?</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Der fr&uuml;here sozialdemokratische hessische Generalstaatsanwalt mit j&uuml;dischen Wurzeln und der w&uuml;rttembergische Staatspr&auml;sident und katholische Zentrumspolitiker? Beide sind Schwaben, beide sind in Stuttgart ans Gymnasium gegangen, beide sind Juristen &#8211; und beide waren sich in der Einsch&auml;tzung des NS-Regimes einig. So hat Bolz bereits 1934 in seinem Aufsatz &#8222;Katholische Aktion und Politik&#8220; festgestellt:&nbsp;&bdquo;Bei offensichtlichem und dauerndem Missbrauch der Staatsgewalt besteht ein Notwehrrecht des Volkes.&ldquo;&nbsp;Im sogenannten Remer-Prozess 1952 in Braunschweig hat Fritz Bauer postuliert: &bdquo;Ein Unrechtsstaat, der t&auml;glich Zehntausende Morde begeht, berechtigt jedermann zur Notwehr.&ldquo; Durch diesen Prozess sind die NS-Widerstandsk&auml;mpfer &#8211; und damit auch Eugen Bolz &#8211; rehabilitiert worden. (Der ehemalige Generalmajor Ernst Otto Remer hatte die Freiheitsk&auml;mpfer um Claus Graf Stauffenberg als &#8222;Landesverr&auml;ter&#8220; verunglimpft.)</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Ohne Fritz Bauer h&auml;tte es die Auschwitz-Prozesse Anfang der 1960er-Jahre und damit den ersten ernsthaften Versuch, die Schandtaten des NS-Terrorregimes und seiner Helfershelfer aufzuarbeiten, nicht gegeben. Der geb&uuml;rtige Stuttgarter hatte dabei mit gro&szlig;en Widerst&auml;nden zu k&auml;mpfen, weil der gesamte Justizapparat noch von den furchtbaren Juristen der Nazizeit durchsetzt war. &Uuml;brigens ist der Ellwanger K&uuml;nstler Karl-Heinz Knoedler durch diesen Prozess zu einer zeichnerisch gro&szlig;artigen Serie von ersch&uuml;tternden Schwarzwei&szlig;-Arbeiten bewegt worden.</p>
<p>&nbsp;&nbsp; Fritz Bauer, der 1968 gestorben ist, hat inzwischen auf vielf&auml;ltige Weise, darunter zwei Spielfilme, die verdiente W&uuml;rdigung erfahren. Vor wenigen Tagen ist sein ehemaliges B&uuml;ro im Frankfurter Landgericht in Fritz-Bauer-Saal umbenannt worden. Ziemlich sp&auml;t, aber immerhin.&nbsp;&#8222;Er hatte ein Herz. Das Humane war f&uuml;r ihn die eigentliche Triebkraft, ein guter Jurist zu sein,&#8220; hat&nbsp;der Politologe J&uuml;rgen Seifert Fritz Bauer gew&uuml;rdigt. Bauers Gro&szlig;eltern stammen &uuml;brigens aus Ellwangen/Jagst.&nbsp;</p>
<p><img decoding="async" class=" size-full wp-image-1151" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/07/Bolz.jpg" alt="Bolz.jpg" width="420" height="600" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/07/Bolz.jpg 420w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/07/Bolz-210x300.jpg 210w" sizes="(max-width: 420px) 100vw, 420px" /></p>
<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp;F&uuml;r den im Januar 1945 in Berlin-Pl&ouml;tzensee hingerichteten Eugen Bolz galt ein anderes ethisches Postulat. Sein Wahlspruch lautete: &#8222;Die Ehrfurcht vor Gott ist der Anfang der Weisheit.&#8220; Ihn hat die Eugen-Bolz-Realschule Ellwangen (EBR) auf der Einladung zur Er&ouml;ffnung eines Eugen-Bolz-Raumes in der Schule zitiert. Es entbehrt nicht der Ironie, dass die EBR nach ihrer Gr&uuml;ndung im Kollegium von sozialdemokratischem Geist erf&uuml;llt war. Genosse war auch der schon&nbsp;erw&auml;hnte Karl-Heinz Knoedler, der f&uuml;r das Foyer der Schule eine Stele aus Bronze geschaffen hat. Oswald Gr&auml;ssle, Bernhard Koch, Herbert Hieber und Dieter Ulmer, um nur einige Namen zu nennen, haben den Kontakt zur Tochter des w&uuml;rttembergischen Staatspr&auml;sidenten, Mechthild Rupf-Bolz, gekn&uuml;pft und &uuml;ber die Jahre hinweg aufrecht erhalten. Dieser Vertrauen schaffenden Verbindung ist es letztlich zu verdanken, dass die M&ouml;bel des einstigen Arbeitszimmers in der nach ihrem Tod abgerissenen Villa auf dem Killesberg in Stuttgart &uuml;ber den Geschichts- und Altertumsverein Ellwangen in die EBR gelangt sind.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Dort sollen nun in einem Erlebnisraum die Sch&uuml;lerinnen und Sch&uuml;ler dauerhaft an Bolz&#8216; wertvollsten Nachlass erinnert werden: &#8222;das demokratische Denken und Handeln.&#8220; Zu Recht ist der Zentrumsmann und &uuml;berzeugte Katholik unter anderem auf einer Briefmarke als &#8222;Aufrechter Demokrat&#8220; gew&uuml;rdigt worden. In einem Wikipedia-Beitrag kann man indes lesen, dass bereits ein Seligsprechungsverfahren f&uuml;r den ermordeten Politiker l&auml;uft, als Blutzeuge aus der Zeit des Nationalsozialismus in das &#8222;Deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts&#8220; aufgenommen zu werden. Der Festredner bei der Feier in der EBR, Dr. Andreas Schaller, soll sich direkt beim Di&ouml;zesanrat der Di&ouml;zese Rottenburg-Stuttgart um dieses Verfahren k&uuml;mmern.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Diese Vereinnahmung des ehemaligen Staatspr&auml;sidenten als M&auml;rtyrer ist durchaus umstritten. Eugen Bolz wurde ja nicht ein Opfer seines Glaubens, sondern enthauptet, weil er als aufrechter Demokrat zu dem Widerstandskreis um Carl Goerdeler Kontakt gekn&uuml;pft hatte. Deshalb hat er wie Fritz Bauer jede &uuml;berkonfessionelle, demokratische Ehrung verdient. Ohne Seligsprechung taugt er f&uuml;r weit mehr Menschen als Vorbild. Ein anst&auml;ndiger Mensch und aufrechter Demokrat braucht kein frommes Etikett, noch die Stilisierung zum Blutzeugen f&uuml;r seinen Glauben.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Der schw&auml;bische SPD-Mann und hessische Generalstaatsanwalt h&auml;tte ohnehin&nbsp;keine kirchliche Instrumentalisierung bef&uuml;rchten m&uuml;ssen. Der Jude Bauer war erkl&auml;rter Atheist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><em>Wolfgang Nu&szlig;baumer &nbsp;</em> &nbsp; &nbsp;&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Ganz genau hinsehen</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/ganz-genau-hinsehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2017 11:31:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_953" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-953" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/03/72d71c3e1a75301c5a2942cd172af179.jpg" alt="" class="caption" title="Foto: Peter Hageneder" width="600" height="407" />Foto: Peter Hageneder[/caption]<p>Die rechte Hand ruht locker auf seinem Knie. Eine kr&#228;ftige Hand mit langen, schmalen Fingern. Eine Pianistenhand. Sie geh&#246;rt zu Hans-Josef Ortheil.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>&nbsp;Sein Vater, ein Vermessungsingenieur, hat ihn die beschreibende Vermessung der Welt gelehrt. Unerbittlich exakt. Daf&uuml;r ist ihm der Schriftsteller und Germanistikprofessor bis heute zutiefst dankbar, wie er im Gespr&auml;ch mit dem SWR-Literaturkritiker Dr. Wolfgang Niess bei der &bdquo;Wortgewaltig&ldquo;-Veranstaltung in der Stadthalle Aalen bekannt hat. Mitunter hat er sich dieser detailgetreuen Beobachtung der Wirklichkeit entzogen und sie heimlich neu erfunden. Nur seiner Mutter hat er sich dann offenbart.</p>
<p>&nbsp; Diese Schule des genauen Hinsehens und ebenso genauen Beschreibens ist dem renommierten Autor wie in seinen fiktionalen Texten auch in seinem autobiografischen Buch &bdquo;Was ich liebe &ndash; und was nicht&ldquo; zugute gekommen. Genau hinzusehen gilt nicht nur f&uuml;r den Blick auf die Au&szlig;enwelt, sondern ebenso f&uuml;r die Innenwelt des eigenen Seins. Nur so kann man erkennen, was einen existenziell umtreibt. Wie die Erfahrungen des Lebens die Lebenserfahrung pr&auml;gen. Wobei die Selbstwahrnehmung viel leichter korrumpierbar ist; wer l&uuml;gt sich nicht selbst gern etwas in die Tasche, wenn&rsquo;s schwierig wird.</p>
<p>&nbsp; Diese Erkenntnis durchzieht sein Buch und diesen ebenso unterhaltsamen wie lehrreichen Abend. Alle seine Beobachtungen zur schon in der Antike thematisierten Kunst des Lebens hat er unter Stichworte gestellt. &bdquo;Wohnen und Bleiben&ldquo; &ndash; wie die Familie zwischen dem quirligen K&ouml;ln und dem ruhigen Flecken im Westerwald gependelt ist. Zuflucht und Geborgenheit, Ruhe und Einsamkeit findet er seitdem eben dort im Westerwald in seiner j&auml;hrlichen &bdquo;Klausur&ldquo;, dort wo schon seine Gro&szlig;eltern ihre Heimat hatten, die Geborgenheit der &uuml;bersichtlichen Gemeinschaft, die Sicherheit der t&auml;glichen Rituale.</p>
<p>&nbsp; Auf seinen Spazierg&auml;ngen f&uuml;hrt ihn sein Weg fast immer zu jener Stelle im Tannenwald, wo sich die Aussicht auf &nbsp;den einstigen Hof und die Wirtschaft der Gro&szlig;eltern &ouml;ffnet. &bdquo;Hier habe ich Sprechen gelernt&ldquo;, sagt Ortheil. Mit drei Jahren hatte er zu sprechen aufgeh&ouml;rt, weil seine Mutter &uuml;ber dem Verlust von vier S&ouml;hnen stumm geworden war. Was in der notwendig verk&uuml;rzten Beschreibung so dramatisch klingt, gewinnt in Ortheils lakonisch-selbstironischer Darstellung ertr&auml;gliche Distanz.</p>
<p>&nbsp; Der Nichtautofahrer und Ungernflieger liest und schildert noch seine Erfahrungen mit dem wiederholt bei Familienausfahrten mit den Eltern vergessenen VW-K&auml;fer &ndash; man hatte zur R&uuml;ckfahrt wie gewohnt den Bus ben&uuml;tzt &#8211; ; schw&auml;rmt vom Sonnengold &uuml;ber den Wolken, wenn das Flugzeug f&uuml;r einen Gl&uuml;cksmoment jenseits von Raum und Zeit zu verharren scheint; beschreibt das Wunder der Stille in einem vollbesetzten ICE; r&auml;soniert &uuml;ber das &bdquo;Schriftstellerleben&ldquo; von einem, der auszog, um Konzertpianist zu werden bis dauernde Entz&uuml;ndungen ihm die rote Karte zeigten; begibt sich im Kapitel &bdquo;Liebesromane&ldquo; auf die &bdquo;Stufenleiter des libidin&ouml;sen Verh&auml;ltnisses&ldquo; und macht als Muffel auch nicht vor der Mode halt.</p>
<p>&nbsp; Das h&ouml;rt sich alles so selbstverst&auml;ndlich, so locker vom Hocker, so quellfrisch an &ndash; und ist doch Resultat einer T&auml;tigkeit, die der Schreiblehrer als &bdquo;ungeheuer schwer&ldquo; beschreibt. &#8222;Einen guten, in sich stabilen Text zu schreiben, ist sehr, sehr schwierig&#8220;, wei&szlig; er aus eigener Erfahrung. Deshalb trainiert er sein Schreibverm&ouml;gen bis heute t&auml;glich &#8211; &#8222;ein unendlicher Prozess&#8220;. Nur so kann er f&uuml;r den Moment gewappnet sein, wenn ihn ein neues Thema existenziell anspringt und in romanhafte Form gebracht werden will. Dann muss der Autor Ortheil ohne Aug und Ohr f&uuml;r die Au&szlig;enwelt &#8222;in einen Tunnel einfahren&#8220;, den Tunnel seiner Fiktion, in dem er seine Figuren und deren Handlungen notierend verfolgt &#8211; bis sie gemeinsam mit ihm als fertiger Roman wieder das Licht der Wirklichkeit erreichen. Falls er sie nicht im Dunkel gegen die Wand gefahren hat&#8230;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Wolfgang Nu&szlig;baumer</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp;&nbsp;</p>
<p class="MsoNormal" style="margin-right: 311.55pt; text-align: justify; text-justify: inter-ideograph; line-height: 115%;">&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Er ging seinen Weg </title>
		<link>https://ostalbpresse.de/er-ging-seinen-weg/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jan 2017 09:23:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://ostalbpresse.de/er-ging-seinen-weg/</guid>

					<description><![CDATA[[caption id="attachment_838" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-838" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2017/01/dd45d054dfce696b68bc0b43a11d1bfe.jpg" alt="" class="caption" title="Ein noch von der Neuen Sachlichkeit inspiriertes Selbstbildnis Ernst Wanners aus dem Jahr 1971" width="674" height="565" />Ein noch von der Neuen Sachlichkeit inspiriertes Selbstbildnis Ernst Wanners aus dem Jahr 1971[/caption]<p>&#8222;Wir sind immer auf dem Wege&#8220;, hat Ernst Wanner noch an seinem 85. Geburtstag gesagt.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Im sp&auml;ten Herbst desselben Jahres hat der Maler seinen irdischen Lebensweg beendet. Zu seinem 100. Geburtstag erinnern wir an den Mann, mit dem die Aalener Kunstszene &nbsp;begonnen hat.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Leben und Kunst waren f&uuml;r den geb&uuml;rtigen Stuttgarter Ernst Wanner seit er 1946 nach Aalen kam, nicht zu trennen. Entsprechend breit war das thematische Feld, das er skulptural, in Mosaiken, graphischen Arbeiten und mit dem Pinsel beackert hat &minus; und entsprechend vielf&auml;ltig die Sprache der symboltr&auml;chtigen farbigen Formen. Die sind bei ihm nie aus dem Lot geraten; ihre innere Harmonie entsprang dem Selbstverst&auml;ndnis ihres Sch&ouml;pfers.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;&bdquo;Nur wenn man von einer Hoffnung oder gar von einer Zuversicht getragen ist, gibt es ein existenzielles und k&uuml;nstlerisches Fort- schreiten&ldquo;, hat Wanner einst den ethischen Imperativ seines Handelns beschrieben. In seinen Landschaften hat dieser Optimismus unbeschwerten, farbenfrohen Ausdruck gefunden. Seine religi&ouml;sen und gesellschaftskritischen Arbeiten hingegen sind von einer eher schwerbl&uuml;tigen, kontemplativen Bildsprache gepr&auml;gt.&nbsp;</p>
<p>&nbsp; &bdquo;Stern&ldquo; hat der Maler Wanner ein Bild genannt, das er kurz vor seinem 85. Geburtstag vollendet hatte. Auf dem Wege sind die drei K&ouml;nige. Einst hat sie der Stern zur Krippe gef&uuml;hrt. &bdquo;Wir sind immer auf dem Wege&ldquo;, sagte der hoch betagte K&uuml;nstler zu diesem Werk.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Er selbst war immer unterwegs. Bis zuletzt brach er auf der Leinwand immer wieder auf zu neuen Ufern. Nur von einem seine Malerei pr&auml;genden Stilmittel ist er nie abger&uuml;ckt: Immer ist er in der Fl&auml;che geblieben. Er musste nicht die Perspektive bem&uuml;hen, um seinen Bildern Tiefgang zu verleihen.</p>
<h3><strong>Wer rastet, der rostet</strong></h3>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Wer rastet, der rostet. Ein Wanner rostete nicht. &bdquo;Ich suche mir immer wieder neue Wege, um nicht auf eingefahrene Gleise zu geraten&ldquo;, hat er mir bei einem Besuch in seinem Atelier mit sehr bestimmtem Ton dargelegt. So lange ihm wegen seines schwindenden Augenlichts das Malen &ndash; mit eiserner Energie &#8211;&nbsp; noch m&ouml;glich war, ist er in seinen Bildtiteln am Puls der Zeit geblieben. &nbsp;Entstanden sind&nbsp; bildm&auml;chtige Zeugnisse f&uuml;r Ernst Wanners Versuch, der Herausforderung, &bdquo;die die Welt um mich an mich richtet&ldquo;, wie er sagte, gerecht zu werden.</p>
<p>&nbsp;&nbsp; F&uuml;r den gl&auml;ubigen Christen bedeutete das, biblische Grundwahrheiten in eine Bildsprache umzusetzen, die sich einem emanzipierten &nbsp;Verst&auml;ndnis von Glaube erschlie&szlig;t. Dieses Schaffen ist ihm wie sein Bekenntnis zur Religiosit&auml;t in der Kunst bis zuletzt ein Herzensanliegen geblieben.</p>
<p>&nbsp;&nbsp; &nbsp;In der Volkshochschule, in Ferienmalkursen und im eigenen Atelier hat er seine Kenntnisse weitergegeben. Das pers&ouml;nliche R&uuml;stzeug daf&uuml;r hatte er nach dem Abitur in Heilbronn an den Kunstakademien in Stuttgart und Leipzig erworben. Die Stadt Aalen hat er nicht nur in farbtechnischen Angelegenheiten beraten.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Angesichts der vielf&auml;ltigen Arbeiten im &ouml;ffentlichen Raum, unter anderem Mosaiken im Torhaus, Kirchenfenster und Au&szlig;engestaltungen an Hausfassaden, nicht zu vergessen die formk&uuml;hne st&auml;hlerne Sonnenuhr in Oberkochen, wird bewusst: Hier lebte und arbeitete ein Maler in seiner Stadt, engagiert, konsequent, ehrlich. Bei dessen Beerdigung hat der damalige OB Ulrich Pfeifle den Nestor&nbsp; der Aalener Kunstszene als &bdquo;&uuml;berzeugende Pers&ouml;nlichkeit&ldquo; und &bdquo;wichtigen Beweger in unserer Gesellschaft gew&uuml;rdigt&ldquo;. &nbsp; &nbsp; &nbsp; <em>&nbsp;-uss</em></p>
<p><strong>Info:</strong> Mit der Ausstellung von zehn signifikanten Werken Ernst Wanners in der Rathausgalerie erinnert die Stadt Aalen zu dessen 100. Geburtstag an ihren gro&szlig;en bildenden K&uuml;nstler. Am Samstag, 11. M&auml;rz, veranstaltet die Stadt eine Artothek. Sie bietet die einmalige Gelegenheit, Werke von Ernst Wanner auszuleihen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Ökonom der Mittel und Worte</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/vogel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Dec 2016 15:04:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-813" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/9c2fe6cb8c357cf6d57c8926869c1003.jpg" alt="" width="573" height="768" /><p>Ein &#214;konom der Mittel - und der Worte; Erinnerung an einen gro&#223;en K&#252;nstler: Albrecht Vogel.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine der ersten Radierungen des K&uuml;nstlers und Kunstdozenten an der P&auml;dagogischen Hochschule Schw&auml;bisch Gm&uuml;nd, Albrecht Vogel, zeigt einen kleinen Kerl mit Zipfelm&uuml;tze, der einen riesigen Sack hinter sich herzieht. Der enth&auml;lt allerlei Krimskrams; Spielzeug und anderes, was das Kinder- und das kindliche Herz erfreut. Ein Weihnachtsmann mit seinen Gaben. Programmatisch l&auml;sst ihn Albrecht Vogel 1967 in sein Leben treten. Seht, hier komme ich &ndash; und ich habe euch einiges mitgebracht. Hunderte Radierungen, plastische Arbeiten von gro&szlig;er Qualit&auml;t, Gef&auml;&szlig;e aus Silber, die er in den letzten zehn Jahren seines Lebens geformt hat, das am 19. Januar 2016 zu Ende gegangen ist; von der F&uuml;lle der klein- und gro&szlig;formatigen Zeichnungen und seinen kalligraphischen Bl&auml;ttern, die er mitunter mit der Zeichnung verbindet, ganz zu schweigen. Auf den ersten Blick scheint dieses kleine Blatt so richtig lieb, harmlos, positiv. Auf den zweiten f&auml;llt das Missverh&auml;ltnis zwischen Mann und Gabensack ins Auge. Der Kleine m&uuml;ht sich ab am Guten. Zuviel des Guten?</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-814" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Allbrecht_beim_Zeichnen.jpg" alt="" width="576" height="768" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Allbrecht_beim_Zeichnen.jpg 576w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Allbrecht_beim_Zeichnen-225x300.jpg 225w" sizes="auto, (max-width: 576px) 100vw, 576px" /></p>
<p>Beim Zeichnen in der Toskana.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;In diesem fr&uuml;hen Blatt erkennt man schon eine der Konstanten in Albrecht Vogels Schaffen. Der ironisch-skeptische Blick auf die Welt, die formale Sicherheit, losgel&ouml;st vom Gegenstand &ndash; und die zugleich aufscheinende Kongruenz von Bildidee und Umsetzung. Es geht um Raum und Fl&auml;che, um das Verh&auml;ltnis der K&ouml;rper, um Perspektive &ndash; und es geht um das narrative Element, die Geschichte, die er erz&auml;hlt. Dem K&uuml;nstler ist die sinnlich erfahrbare Welt wichtig als wahrnehmbare Wirklichkeit. Aus ihr sch&ouml;pft er: Natur- und Industrie-Landschaften, Interieurs, Architekturstudien, Personen, Details als Bestandteile seiner r&auml;tselhaft komplexen Kompositionen. Je nach&nbsp; Erkenntnisinteresse und wohin Radiernadel und Zeichenstift dr&auml;ngen, k&ouml;nnen sie im Gegenst&auml;ndlichen bleiben oder sich radikal von ihm entfernen in die vollkommene Abstraktion. Da schlagen keine zwei Seelen in der breiten Brust des geb&uuml;rtigen Westfalen; sondern das ist die k&uuml;nstlerische Freiheit, das denkend zu schaffen, was die Logik von Idee und Prozess fordert. Die Vielfalt ergibt sich aus dem Spiel der bildnerischen Mittel.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Eine Maxime f&uuml;hrte ihm dabei immer die Hand, im Gegenst&auml;ndlichen und im Ungegenst&auml;ndlichen: &bdquo;Ein Minimum dessen, was der K&uuml;nstler will, muss visualisiert sein&ldquo;, betont er. Der &auml;sthetische Sinn des Geschaffenen muss sich unabh&auml;ngig von der inhaltlichen Dimension in einem gewissen Ma&szlig; mitteilen. Anders gesagt. Wenn sich der Sinn eines Kunstwerks erst durch ausf&uuml;hrliche kunsthistorische und &ndash;soziologische Exegese dem ratlosen Betrachter erschlie&szlig;t, stammt es nicht von Albrecht Vogel. In dem Punkt war er sehr sympathisch altmodisch.</p>
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<p>&nbsp; &nbsp;Dabei war der kantige Kerl, den es schon fr&uuml;h aus Minden in den S&uuml;den der Republik verschlug &#8211; 1966 hat er in Schorndorf sein Abitur gemacht &#8211; alles andere als geschw&auml;tzig in seiner Kunst; und nicht im Leben. Die &Ouml;konomie der Mittel zeichnete ihn aus. Das Richtige mit dem Richtigen zu tun &ndash; und blo&szlig; nicht zu viel. &Auml;sthetik war f&uuml;r ihn ein Aspekt der angemessenen Dosis. In Reinkultur zu betrachten in seinen kalligraphischen Arbeiten. Sie waren f&uuml;r den Schwarzk&uuml;nstler, der auch in der traditionellen Typographie zuhause war, &bdquo;eine unglaubliche differenzierte Schulung&ldquo;. Wer durch diese Schule der gestalterischen Disziplin gegangen ist, kann sich sp&auml;ter im freien Spiel der zeichnerischen Kr&auml;fte als Souver&auml;n behaupten.&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Deswegen wird man auf seinen Bl&auml;ttern, ob Radierung, Zeichnung oder Malerei, &nbsp;vergeblich nach der auftrumpfenden Geste suchen, nach dem grellen Apostroph, nach der virtuosen augenwischerischen Attit&uuml;de. Stattdessen wird man Werken begegnen, die in innerer Balance ruhen, die von formaler Harmonie gepr&auml;gt sind, obschon sie h&auml;ufig gerade nicht nach Harmonie streben. Sein Deutsch-Kollege an der PH, Martin Selge, hat in seiner klugen, warmherzigen Einf&uuml;hrung zur letzten Ausstellung Albrecht Vogels, die ihm der Gm&uuml;nder Kunstverein im Fr&uuml;hjahr 2015 gewidmet hat, dessen Ordnungsmaxime zitiert: &bdquo;Das Gesehene teilen wir in Ordnungen, regul&auml;re und irregul&auml;re &ndash; aufger&auml;umt oder unordentlich. Mich zieht der Zwischenbereich an, sowohl formal als auch inhaltlich, dort, wo es ineinander &uuml;bergeht.&ldquo;&nbsp;</p>
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<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; Bis 2014 hat er zehn Jahre lang als Vorsitzender und &bdquo;Experte f&uuml;r visuelle Denkanst&ouml;&szlig;e&ldquo; (Selge) die Galerie des Kunstvereins im Kornhaus zu einem Hort der Qualit&auml;t gemacht. F&uuml;r Kompromisse war er nicht zu haben.&nbsp; Das gilt auch f&uuml;r die 2014 erfolgte Gr&uuml;ndung einer Jugendkunstschule. &Uuml;ber viele Jahre hinweg hatte er dieses Projekt, mit dem er auf der Basis einer soliden Kunstdidaktik junge Menschen an die bildende Kunst heranf&uuml;hren wollte, hartn&auml;ckig verfolgt. Blubberblasendruck war gewiss nicht sein Ziel.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Geduld, Ausdauer und Flei&szlig; hat Albrecht Vogel als wesentliche Tugenden des K&uuml;nstlers postuliert. Ein Talent ohne Disziplin sei wie ein Auto ohne Benzin, hat er lakonisch festgestellt. Das klingt nach Arbeit, nicht nach Boh&egrave;me. K&ouml;nnen war f&uuml;r ihn Voraussetzung f&uuml;r Kunst. Wer sein Handwerk nicht versteht, wird&nbsp; sich wom&ouml;glich selbst besch&auml;digen, wenn er mit der Stahlnadel ins widerspenstige Blech gr&auml;bt. Oder mit dem Hammer die Silberplatte in die dritte Dimension treibt. Er wird scheitern im Kampf mit dem Material.</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; &bdquo;Wir haben einen gro&szlig;en Mangel an dieser &auml;sthetischen Erziehung&ldquo;, bedauert der K&uuml;nstler, der seit 1980 als Dozent an der P&auml;dagogischen Hochschule Schw&auml;bisch Gm&uuml;nd sein Credo von der &Ouml;konomie der Mittel gelehrt hat. Von der &Auml;sthetik der richtigen Dosierung, die Disziplin und Selbstbeherrschung verlangt. Letztlich steht diese &Auml;sthetik im Dienst einer Kunst, von der Albrecht Vogel ganz fest &uuml;berzeugt war, dass sie eine geistige T&auml;tigkeit sei.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Albrecht Vogel war &ndash; gleichwohl &#8211; ein Handwerker. Im Dienst der Kunst. &bdquo;Urspr&uuml;nglich wollte der Bub Ingenieur werden&ldquo;, hat er im Gespr&auml;ch verraten. Bevor er sein Studium an der Gm&uuml;nder PH aufnahm, das er an der Stuttgarter Kunstakademie fortgesetzt hat, absolvierte er ein Praktikum als Werkzeugmacher. Sp&auml;ter hat er ein altes Motorrad zusammengeschraubt, eine alte Limousine und M&ouml;bel restauriert und sich bei Bedarf sein Werkzeug selbst gebaut. Notgedrungen auch. Weil die einst so weit verbreitete Kunst des Radierens zu einer Randdisziplin geworden war, produzierte kaum noch jemand die Ger&auml;tschaften daf&uuml;r. Sie erfordert, wie erw&auml;hnt, Beherrschung des Handwerks, Geduld und Beharrlichkeit, um im Kampf mit dem Material zu &uuml;berzeugenden L&ouml;sungen zu finden. Tugenden, &uuml;ber die dieser vielseitige K&uuml;nstler in reichem Ma&szlig;e verf&uuml;gt hat.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; &nbsp;Nicht von ungef&auml;hr gr&uuml;&szlig;t von der Stirnwand in Vogels Atelier in Heubach eine kleine Vignette mit der Aufschrift: &bdquo;Ritter der Radiernadel und des holl&auml;ndischen &Auml;tzwassers.&ldquo; Seine Frau Marie-Jeanne hat diesen lichten Raum mit seinem geordneten Chaos ebenso unber&uuml;hrt gelassen, wie seine mit diversen Ger&auml;ten, Werkzeugen und Maschinen voll gestopfte Werkstatt. Man hat das Gef&uuml;hl, gleich werde sich eine T&uuml;r &ouml;ffnen, Albrecht Vogel eintreten und in seinem ganz pers&ouml;nlichen &bdquo;Zwischenbereich&ldquo; die gerade an der Staffelei oder der Werkbank begonnene Arbeit fortsetzen. Orte eines Allesk&ouml;nners. Albrecht Vogel w&uuml;rde diese Bezeichnung zur&uuml;ckweisen. Sie stimmt dennoch. &nbsp;&nbsp;</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-818" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Kisten_Radier.jpg" alt="" width="830" height="534" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Kisten_Radier.jpg 830w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Kisten_Radier-300x193.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Kisten_Radier-768x494.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 830px) 100vw, 830px" />&nbsp;</p>
<p>Austernkisten am Strand der Bretagne als Radierung.</p>
<p>&nbsp; &nbsp; Dieser Mann, dem die Welt nie genug war, hat Eindr&uuml;cke aufgesaugt wie ein Schwamm das Wasser. Ein Prozess, der von au&szlig;en nach innen verl&auml;uft. Die Vogelfluglinie seiner Reiseimpressionen &ndash; ob radiert oder gezeichnet &#8211; reicht von den &auml;u&szlig;eren Hebriden im st&uuml;rmischen Atlantik bei Schottland bis ins Land, wo die Zitronen bl&uuml;hen. Das Raue und das S&uuml;&szlig;e, die K&auml;lte und die W&auml;rme, die extreme Herausforderung und das Bad der Sinne verbinden sich in seinen Erfahrungen. Und war sein Wahrnehmungsspeicher vollgesogen, vollzog sich die Metamorphose. Die Eindr&uuml;cke dr&auml;ngten nach drau&szlig;en. Allerdings in v&ouml;llig vergeistigter Form; abstrahiert, als Essenz. Der Dichter Friedrich H&ouml;lderlin hat diesen Prozess so beschrieben: &bdquo;Lern im Leben die Kunst, im Kunstwerk lerne das Leben.&ldquo;</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; Zwar hat Albrecht Vogel betont, was ihn mehr interessiere als die Motive seien Fragen der Bildl&ouml;sung wie das Verh&auml;ltnis von Raum und Fl&auml;che, die Perspektive, der Rhythmus eines Blattes. Zugleich sind seine Arbeiten, ob in der Fl&auml;che oder im Raum, jedoch der st&auml;ndige Versuch, etwas &uuml;ber sich selbst herauszufinden. Der Frage nachzugehen, &bdquo;Was ist f&uuml;r mich wichtig? Wo stehe ich?&ldquo; Mit h&ouml;chster Intensit&auml;t hat er in seinem k&uuml;nstlerischen Schaffen nach Antworten gesucht. Intensit&auml;t als Haltung. Allgemein gesagt: Je intensiver sich jemand mit etwas auseinandersetzt, umso n&auml;her kommt er dem Gegenstand. Konkret f&uuml;r den K&uuml;nstler hei&szlig;t das, je leidenschaftlicher er sich um die Formgebung bem&uuml;ht, umso mehr wird sie sein Eigenes, wird &bdquo;stimmig&ldquo;. Albrecht Vogel hat Intensit&auml;t mit Qualit&auml;t gleichgesetzt.</p>
<p>&nbsp;<img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-819" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Austernkisten_Skulpt.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Austernkisten_Skulpt.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Austernkisten_Skulpt-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Austernkisten_Skulpt-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Vogels H&auml;nde haben Allt&auml;gliches in Kunst verwandelt, in diesem Fall Austernkisten in eine Skulptur.</p>
<p>&nbsp; &nbsp;Albrecht Vogel, der am 9. Juni 2016 70 geworden w&auml;re, hat mir vor zehn Jahren verraten: &bdquo;Inzwischen kann ich geduldiger horchen.&ldquo; Vielleicht hat er deshalb die M&uuml;he auf sich genommen, bei der Gm&uuml;nder Innungsobermeisterin Doris Raymann-Nowak einen Kurs im Silberschmieden zu belegen.&nbsp; Sie hat den Perfektionisten nochmals Perfektion gelehrt, wie er in einer Vernissagerede zu einer Ausstellung Raymann-Nowaks verraten hat. In Umkehrung des Sprichwortes hat er erkannt, dass f&uuml;r ihn Silber Schweigen ist. &bdquo;Ihn hat jedes Gewerk interessiert&ldquo;, kommentiert seine Frau Marie-Jeanne. Bis zum Schluss. Die H&auml;nde in den Scho&szlig; legen, aufgeben wom&ouml;glich, das war keine Option im Selbstverst&auml;ndnis des Albrecht Vogel. Ein Blick auf sein Werk zeigt, warum.</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class=" size-full wp-image-820" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Silberschale.jpg" alt="" width="1024" height="683" srcset="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Silberschale.jpg 1024w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Silberschale-300x200.jpg 300w, https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/12/Silberschale-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px" /></p>
<p>Auch als Silberschmied hat er nach Perfektion gestrebt.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Seine Bildmetaphern changieren immer wieder zwischen Schein und Sein. Irgendwo dazwischen eben. Womit wir bei der Suche nach dem ideellen Potenzial, das die Nadel oder den Zeichenstift vorw&auml;rts treibt &#8211; oder in den zum ersten Mal in seiner letzten Schau pr&auml;sentierten plastischen Aneignungen von Welt&nbsp; bestechende &auml;sthetische L&ouml;sungen findet &#8211; bei der Ironie als Wesensmerkmal angekommen w&auml;ren. In der Sprache ist es die M&ouml;glichkeit, einen Sachverhalt zu verkleiden, ihn nicht direkt zu sagen &ndash; mit seiner situativen Mehrdeutigkeit zu spielen. In der Kunst, in Albrecht Vogels Kunst, erleben wir Ironie als Mehrschichtigkeit, als Durchdringung unterschiedlicher Wahrnehmungsebenen.</p>
<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp; 1967 hatte er sich mit der Radierung eines Wichtels, der sich mit einem schweren Sack abm&uuml;ht, programmatisch auf den Kunst-Weg gemacht. Zur Ausstellung im Kunstverein hatte sich dieser Sack auf einer Radierung in einen &bdquo;G&uuml;nstigen Geschenkkarton&ldquo; verwandelt, aus dem statt Kinderspielzeug allerlei sperriger Krimskrams purzelt. Albrecht Vogels sarkastisch verschl&uuml;sselter Kommentar zum Zustand der Welt.</p>
<p>&nbsp;&nbsp; Es ist sein skeptischer Blick, der das Innere nach Au&szlig;en kehrt und im &Auml;u&szlig;eren historische und menschliche Erfahrung reflektiert. Und diese ausgr&auml;bt aus dem widerst&auml;ndigen Metall mit der tief sch&uuml;rfenden Stahlnadel, um sie im Druck zu manifestieren. Als R&auml;tsel, deren L&ouml;sung wir in uns selbst suchen m&uuml;ssen. Das ist sein Verm&auml;chtnis &ndash; und unsere Verpflichtung. Dieser Berserker hat nicht aufgeh&ouml;rt zu arbeiten, bis zum Schluss. Seine Skizzenb&uuml;cher enden mit der Nummer 93. Die letzte Zeichnung darin datiert vom 4. Januar 2016. Da lag er schon &ndash; endg&uuml;ltig &#8211; im Krankenhaus. Wenige Tage sp&auml;ter musste auch dieser gro&szlig;artige Lebens-K&uuml;nstler seine Mittel in andere H&auml;nde &uuml;bergeben.</p>
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<p>&nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; &nbsp; <em>&nbsp;John Wolf</em></p>
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		<title>Die famose Bibel des Herrn Pfaff</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/die-famose-bibel-des-herrn-pfaff/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Joe Ostowski]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Oct 2016 05:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[<img class=" size-full wp-image-737" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/10/eb9b7452cdc806568d2312ea5614a301.jpg" alt="" width="600" height="859" /><p>&#160;Das Kloster Lorch bekommt eine weitere Sehensw&#252;rdigkeit.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Eine au&szlig;ergew&ouml;hnliche Bibel wird k&uuml;nftig im Kloster Lorch zu sehen sein. Es ist die 1729 erschienene zweib&auml;ndige &bdquo;Pfaff-Bibel&ldquo;. Dr. Eberhard Zwink, Bibliotheksdirektor im Ruhestand und langj&auml;hriger Leiter einer der gr&ouml;&szlig;ten Bibelsammlung der Welt in der W&uuml;rttembergischen Landesbibliothek wird das eindrucksvolle Werk am 31. Oktober vorstellen und erl&auml;utern wie und warum diese umfassende Ausgabe entstand, die sowohl individueller Fr&ouml;mmigkeit dienen wie auch den Anspr&uuml;chen einer akademischen Besch&auml;ftigung entsprechen sollte.</p>
<p>Es war lange nicht alles vorbei als 1535 das Kloster Lorch durch den w&uuml;rttembergischen Herzog Ulrich aufgel&ouml;st wurde. Damals durften einige M&ouml;nche im Lorcher Kloster bleiben. Ein paar Jahre wenigstens. Das Amt des Abtes aber blieb auf Dauer erhalten&nbsp; &#8211; bis 1817. Also auch nachdem sich das Herzogtum W&uuml;rttemberg der Reformation von Martin Luther angeschlossen hatte und der Herzog die M&auml;nnerkl&ouml;ster im Territorium aufgel&ouml;st und in h&ouml;here Schulen umgewandelt gab es Klostervorsteher.</p>
<p>&nbsp;<br />Titel und Amt waren durchaus begehrt. Denn dem Abt von Lorch standen Ertr&auml;ge aus dem Klosterbesitz zu. Das war zun&auml;chst eine Form, wie im armen Herzogtum wichtige Personen der Landes- und der nun evangelischen Kirchenverwaltung zu einer besseren Entlohnung kommen konnten. Im 18. Jahrhundert wurde es &uuml;blich, dass auch gut besoldete Theologen und Inhaber kirchlicher Spitzen&auml;mtern mit dem Abtstitel zus&auml;tzliche Einnahmen generieren konnten. Bekanntes Beispiel daf&uuml;r ist Johann Albrecht Bengel (1687 &ndash; 1752). Der &bdquo;Vater der w&uuml;rttembergischen Fr&ouml;mmigkeit&ldquo; war nicht nur Lehrer im einstigen Kloster Denkendorf sondern zugleich Pr&auml;lat von Herbrechtingen und Abt von Alpirsbach.</p>
<p>In Lorch wurde Christoph Matth&auml;us Pfaff (1686 &ndash; 1760) im Jahr 1720 Abt. Da war er bereits ein f&uuml;hrender Theologieprofessor an der Universit&auml;t T&uuml;bingen und wurde wenig sp&auml;ter deren Kanzler. Walter Jens nennt Pfaff in seiner &bdquo;Geschichte der Universit&auml;t T&uuml;bingen&ldquo; &bdquo;einen der m&auml;chtigsten M&auml;nner in der Geschichte der Alma Mater Tubingensis&ldquo;. Der Theologe Pfaff bem&uuml;hte sich um eine Ann&auml;herung der verschiedenen theologischen Str&ouml;mungen seiner Zeit. Als n&uuml;tzliches Mittel dazu sah er es an, eine Bibel zu ver&ouml;ffentlichen, die nicht nur den Text der &Uuml;bersetzung von Martin Luther enth&auml;lt, wie es die orthodoxen Theologen verlangten. Dem aufkommenden Pietismus entsprach Pfaff in seiner Bibel mit kurzen Zusammenfassungen nach jedem Kapitel des biblischen Textes. Dazuhin findet sich in der Pfaff-Bibel zu jedem Abschnitt auch ein Gebet. So soll das Gelesene auf die Fr&ouml;mmigkeit und Alltagspraxis bezogen werden und Moral aus Einsicht der Vernunft gef&ouml;rdert werden. Den Forderungen nach wissenschaftlicher Besch&auml;ftigung mit den Inhalten der Heiligen Schrift kommt Pfaff damit nach, dass zum&nbsp; eigentlichen Text der Bibel fast lexikalisch anmutende Beitr&auml;ge zum historischen Verlauf; Listen von parallelen Bibelstellen, Worterkl&auml;rungen und j&uuml;dischen Gebr&auml;uchen beigef&uuml;gt. Eine ganze Reihe von meisterhaft ausgef&uuml;hrten Bildern veranschaulichen den Inhalt. <br />Pfaffs Bibel war die erste, die in W&uuml;rttemberg gedruckt werden konnte. Das liegt daran, dass W&uuml;rttemberg bis ins 19. Jahrhundert als wirtschaftlich armes Land galt. Druck und Verlag von gro&szlig;formatigen Vollbibeln (Altes und Neues Testament) war aus finanziellen Gr&uuml;nden im Herzogtum nicht m&ouml;glich. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts konnte Buchdruckerfamilie Cotta, zun&auml;chst in T&uuml;bingen und dann in Stuttgart den Druck und den Verlag einer inhaltlich und technisch qualitativ hochwertigen Buchkultur aufbauen. Bis dahin waren die Bibeln in der &Uuml;bersetzung von Martin Luther in den reichen Reichsst&auml;dten gedruckt worden. 1729 erschien bei Cotta die erste Auflage der von Christoph Matth&auml;us Pfaff verantworteten Bibel, ein Jahr sp&auml;ter folgte bereits eine zweite Auflage. &nbsp;</p>
<p>Der Freundeskreis Kloster Lorch konnte im vergangenen Jahr ein Exemplar dieser bei Cotta gedruckten Bibel erwerben. Inzwischen wurde das besch&auml;digte Exemplar bei einem Buch- und Papierrestaurator saniert. Dieses Exemplar wird im Refektorium des Klosters Lorch in Lorch &ouml;ffentlich pr&auml;sentiert am 31. Oktober 2016, 18 Uhr. Dabei erl&auml;utert Dr. Eberhard Zwink in einem Vortrag Entstehung und Bedeutung der Bibel. Josef M&uuml;ller, Arzt in Lorch&nbsp; und das kammermusikalische Ensemble &bdquo;Il canto figurato, Ulm&ldquo;, spielen Musik aus der Entstehungszeit der Bibel. Vom 1. November an ist die Pfaff-Bibel dann in der Lorcher Klosterkirche ausgestellt. <br />&nbsp;</p>
<p>Bilderl&auml;uterungen: <br />Bild 1201 Titelblatt der so genannten Pfaff-Bibel: <br />Die ganze Heilige Schrift Alten und Neuen Testaments, nach der &Uuml;bersetzung und mit den vorreden und Randglossen D. Martin Luthers, mit neuen Vorreden, Summarien, weitl&auml;ufigen Parallelen, Anmerkungen und geistlichen Anwendungen, auch Gebeten auf jedes Capitel: Wobei zugleich n&ouml;tige Register und eine Harmonie des Neuen &sbquo;Testamentsbeigef&uuml;get sind. Ausgefertigt unter der Aufsicht und Direktion Christoph Matt&auml;i Pfaffen, der Heiligen Schrift Doktoren, Professorn, Canzlern und Probsten zu T&uuml;bingen und Abten des Closters Lorch. &nbsp;<br />Mit Censur des Hochf&uuml;rstlich w&uuml;rttembergischen Consistorii und L&ouml;bl. Theologischer Fakult&auml;t zu T&uuml;binen und Allergn&auml;digsten Privilegiis. <br />T&uuml;bingen verlegt und gedruckt von Johann Georg und Christian Gottfried Cotta im Jahr Christi 1729.&nbsp; &nbsp;<br />Bild 1219: Doppelseite mit einer Darstellung von Jerusalem und j&uuml;discher Heiligt&uuml;mer. &nbsp;<br />Bild 1212: Seite aus dem Alten Testament Buch Hiob mit &bdquo;Nutzanwendung&ldquo; und &bdquo;Gebet&ldquo; am Ende eines jeden Textabschnitts.</p>
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		<title>Mit 90 noch auf „Bildungsreise“</title>
		<link>https://ostalbpresse.de/mit-90-noch-auf-bildungsreise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[-uss]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2016 04:03:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Archiv Menschen]]></category>
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					<description><![CDATA[[caption id="attachment_684" align="alignnone" width=""]<img class=" size-full wp-image-684" src="https://ostalbpresse.de/wp-content/uploads/2016/09/23f6a067599ae98276b159b7685c0abf.jpg" alt="" class="caption" title="Foto: Karl-Heinz Kuball" width="1515" height="1080" />Foto: Karl-Heinz Kuball[/caption]<p>Von der Lust am Reisen handelte ein Vortrag, den Professor Hermann Bausinger&#160; - lang ist&#8217;s her - bei einem literarischen Abend im Stuttgarter Bahnhofsturm hielt.</p>
]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Dieser Begriff des Reisens kann als Metapher f&uuml;r das weit gespannte Forschungsinteresse des emeritierten Nestors der Empirischen Kulturwissenschaft stehen. Bausinger ist auch mit 90 Jahren noch als Reisender in Sachen universaler Bildung unterwegs. Der geb&uuml;rtige Aalener und langj&auml;hrigeVorsitzende der Jury des Schubart-Literaturpreises der Stadt Aalen hat dieser Tage seinen runden Geburtstag gefeiert &ndash; voller Pl&auml;ne.&nbsp;</p>
<p>Hermann Bausinger hat es als &bdquo;eine Gro&szlig;tat dieser Stadt&ldquo; ger&uuml;hmt, dass sie wenige Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der Naziherrschaft den Schubart-Literaturpreis gestiftet hat. Und das mit einem OB Sch&uuml;bel, der selbst im 3. Reich eine unr&uuml;hmliche Rolle gespielt hatte. Aber so kurz nach dem Kriege hatte das &ouml;ffentliche Bewusstsein noch keinen Sinn f&uuml;r solche Ungereimtheiten entwickelt. Bei der ersten Sitzung 1956 war er noch nicht dabei, wie sich Bausinger erinnert, aber seit 1962 hat er im Preisgericht mitgewirkt.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Zwei Jahre zuvor hatte er im zarten Alter von 34 Jahren bereits den Lehrstuhl f&uuml;r Volkskunde an der Universit&auml;t T&uuml;bingen erhalten. Der junge Wissenschaftler hat daf&uuml;r gesorgt, dass frischer Wind den Muff unter den Talaren vertrieben hat. &bdquo;Die Modernisierung der Begrifflichkeit und die Ber&uuml;cksichtigung von theoretischen Ans&auml;tzen aus Nachbarwissenschaften hat die Volkskunde aus ihrem folkloristischen Ghetto herausgef&uuml;hrt und sie zu einer &sbquo;empirischen Kulturwissenschaft&rsquo; transformiert&ldquo;,&nbsp; schrieb ein Laudator zum Siebzigsten des langj&auml;hrigen Vordenkers im Ludwig-Uhland-Institut der Uni T&uuml;bingen. &nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Vermutlich kommt diese Parallele nicht von ungef&auml;hr: In seinen Anf&auml;ngen war der Schubartpreis stark auf die regionale Forschung konzentriert. Landschaft und Geschichte der Stadt Aalen und ihres Umlandes spielten eine wichtige Rolle in den zu jener Zeit noch auf eine Ausschreibung hin eingesandten Beitr&auml;gen. Vom Gedicht &uuml;ber Schubart, wie er in seinem Kerker sa&szlig; bis zu Romanen im Geiste des einstigen aufs&auml;ssigen Poltergeistes. Ende der Siebzigerjahre wurde zur Aufwertung des Preises in den Statuten festgelegt, dass das Preisgericht selbst Autoren vorschlagen kann.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>In der Folge wurde die Zielrichtung noch st&auml;rker auf das geistige Erbe Schubarts ausgerichtet, zu dem auch dessen journalistische Dimension z&auml;hlt. Beispielsweise wurde der Publizist und Romancier Ralph Giordano&nbsp; zusammen mit dem Nestor der regionalen Kulturgeschichtsschreibung, Prof. Dr. Hermann Baumhauer ausgezeichnet. Nicht zuletzt wegen dieser Preisverleihung hatte sich Giordano, der im Dezember 2014 gestorben ist, dann intensiv mit der Gestalt Schubarts besch&auml;ftigt, wie sich Bausinger erinnert.&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Gab es f&uuml;r Hermann Bausinger ein Leben nach dem Schubart-Preisgericht? Eigentlich war er ganz froh, dass er jetzt &bdquo;nirgends mehr dabei ist&ldquo;. Denn das Feld, das er beackert, ist wahrlich ein weites. Schlie&szlig;lich erf&uuml;llt er idealtypisch die Forderung, die einst der Pfarrer und Schriftsteller Johann Peter Hebel an einen Leiter des &bdquo;Badischen Landkalenders&ldquo; gestellt hat, den er selbst viele Jahre gepr&auml;gt hat: Dieses Gesch&auml;ft solle an eine Pers&ouml;nlichkeit &uuml;bertragen werden, die &bdquo;beobachtend mit und unter dem Volke lebt&ldquo;.</p>
<p>Nachzulesen in Bausingers &ndash; nat&uuml;rlich &ndash; espritvoller, verst&auml;ndlicher Essaysammlung &uuml;ber badische und schw&auml;bische geistliche Literaten &bdquo;Seelsorger und Leibsorger&ldquo;. Dort findet sich auch ein Zitat von Friedrich Nietzsche, der die &Auml;rzte &ndash; mit einem Seitenhieb auf &bdquo;die geistlichen &Auml;rzte&ldquo;, denen ein Gebildeter aus dem Wege gehe &#8211; als Seelsorger in die Pflicht genommen hat. Sie m&uuml;ssten &bdquo;eine Beredsamkeit haben, die sich jedem Individuum anpasst und ihm das Herz aus dem Leibe zieht&ldquo;. Ins Heute &uuml;bersetzt k&ouml;nnte man sagen &bdquo;das Herz &ouml;ffnet&ldquo;.&nbsp;&nbsp;&nbsp;</p>
<p>Zu seinem 90. Geburtstag ist der jeden Preis werte Germanist, Kulturwissenschaftler und begnadete Erz&auml;hler von der angeblich rauen Ostalb mit dem Europ&auml;ischen M&auml;rchenpreis ausgezeichnet worden. Seine Fangemeinde und sich selbst hat der unerm&uuml;dliche Forscher, der nach wie vor h&auml;ufig in &bdquo;seinem&ldquo; Ludwig-Uhland-Institut in T&uuml;bingen anzutreffen mit einem in jeder Hinsicht ihm gem&auml;&szlig;en Werk beschenkt: &bdquo;Eine schw&auml;bische Literaturgeschichte&ldquo;. Hoffentlich bleibt uns dieser hoch gebildete, charmante, feine Land-und Leute-Kenner noch lange erhalten.&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; John Wolf</p>
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